Puerto Rico sendet Weckruf an Gläubiger

4. August 2015, 07:00
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Puerto Rico zahlte eine Anleihe nicht und ist offiziell pleite, jetzt will der Inselstaat seine Schulden umstrukturieren

San Juan / Wien – Offiziell ist Puerto Rico seit dem Wochenende pleite. Nach Jahren des Ringens um Einhaltung der Zahlungsverpflichtungen, hat das hochverschuldete US-Territorium eine am Samstag fällige Anleihenzahlung nicht geleistet. "Wir haben das Geld nicht", begründete der Stabschef des Gouverneurs, Victor Suárez den Zahlungsausfall. Fällig gewesen wären 58 Millionen Dollar (rund 53 Millionen Euro) für ein Papier der Public Finance Corporation (PFC).

Der Ausfall kommt nicht überraschend. Die Regierung der Insel hatte seit Wochen signalisiert, dass sie das Geld nicht werde aufbringen können. Zuletzt am Mittwoch hatte Suárez betont, Puerto Rico sei ohne Schuldentilgung nicht zahlungsunfähig, denn die Regierung sei nach den Bedingungen dieser Anleihe nicht zur Begleichung verpflichtet.

Dagegen haben die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's angekündigt, den Vorgang sehr wohl als Staatspleite zu werten. Formal sei Puerto Rico pleite, schreibt Financial Times unter Berufung auf Analysten der Ratingagenturen. PFC-Anleihen verfügten über niedrigere Garantien als "General Obligation Bonds", die von der puerto-ricanischen Regierung ausgegeben werden. Laut Angaben von Portfoliomanagern und Händlern kann das US-Außengebiet Prioritäten setzen, welche Bonds über den Rest des Jahres bedient werden.

In Verzug

Die PFC-Bonds seien die ersten Zahlungen, mit denen der US-Satellit in Verzug geraten ist. Die 169 Millionen Dollar, die bei der staatlichen Entwicklungsbank aushaftend sind, hat die Regierung in San Juan hingegen noch zusammengekratzt. Eine Arbeitsgruppe der Regierung will nun einen Plan zur Restrukturierung der Schulden und zur Ankurbelung der Wirtschaft erarbeiten.

Im Juni hatte Gouverneur Alejandro García Padilla – sehr zur Überraschung und zum Missfallen von Investoren – erklärt, Puerto Rico werde die Staatsschulden in Höhe von 72 Milliarden Dollar – etwa ein Fünftel jener Griechenlands – nicht begleichen können und benötige dringend eine Umschuldung. Endgültig ausgehen werde Puerto Rico das Geld erst im November, sagte Suárez, sofern keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden.

Weckruf für Finanzinvestoren

Einen Weckruf für Finanzinvestoren nennt Peter Hayes, beim Finanzinvestor BlackRock für kommunale Anleihen zuständig, die Nicht-Bedienung des PFC-Bonds. Das sei ein Vorgeschmack, wie mit Schulden künftig umgegangen werden wird. Ob es zur Unterbrechung des Schuldendienstes komme oder einem Moratorium, hänge von der Liquiditätssituation ab, zitiert die FT den Fondsmanager. Die ökonomische Aktivität müsste jedenfalls in kurzer Zeit substantiell steigen, um einen Schuldenschnitt von 30 bis 40 Milliarden Dollar zu vermeiden. Ein Haircut wäre aber nötig, um für das arme Land – von den 3,6 Millionen Einwohnern leben 45 Prozent unter der Armutsgrenze – Bodenfreiheit unter der Schuldenlast zu erreichen. (Reuters, ung, 4.8.2015)

  • Nicht nur für Griechenland – auch für das hochverschuldete US-Territorium hielten manche einen Haircut für nötig.
    foto: ap/arduengo

    Nicht nur für Griechenland – auch für das hochverschuldete US-Territorium hielten manche einen Haircut für nötig.

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