Mullah Omars Familie verweigert neuem Taliban-Chef Gefolgschaft

3. August 2015, 16:42
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Angehörige fordern Vermittlung durch islamische Geistliche

Kabul – Die Familie des verstorbenen Taliban-Kommandanten Mullah Omar hat seinem Nachfolger an der Spitze der afghanischen Rebellengruppe die Gefolgschaft verweigert. "Unsere Familie hat angesichts dieser Differenzen niemandem die Gefolgschaft erklärt", sagte Mullah Omars Bruder, Mullah Abdul Manan, in einer am Sonntag veröffentlichen Audiobotschaft.

Er forderte, dass die islamische Geistlichkeit im Streit mit dem neuen Kommandanten Mullah Akhtar Mansour vermittelt. Die Familie wolle, dass die islamischen Geistlichen die Differenzen lösten, bevor sie jemandem die Treue schwören, sagte Manan. "Unsere Familie wird dem neuen Anführer dienen (...), wenn er im Konsens gewählt wurde."

Neuer Anführer

Mullah Akhtar Mansour war am Freitag zum neuen Anführer der Taliban erklärt worden, nachdem die islamistische Bewegung verkündet hatte, dass ihr langjähriger Kommandant Mullah Omar verstorben sei. Die Ernennung Mansours wurde aber von bedeutenden Teilen der Taliban nicht anerkannt.

Hintergrund sind offenbar Differenzen wegen Mansours Nähe zur pakistanischen Regierung und seiner Befürwortung von Friedensgesprächen mit der afghanischen Regierung. Mansour gilt als relativ gemäßigt und pragmatisch, weshalb seine Wahl die Hoffnung nährte, dass sich die Taliban ernsthaft auf Verhandlungen mit der Führung in Kabul einlassen.

Treffen verlassen

Ein Kommandant aus dem Umfeld der Quetta-Shura sagte der Nachrichtenagentur AFP, nur eine Handvoll der 20 Mitglieder des in der pakistanischen Großstadt Quetta ansässigen Führungsgremiums habe Mansour unterstützt. Auch Mullah Omars Sohn Yaqoob (Jakub), der selbst als Nachfolger seines Vaters gehandelt wurde, verweigerte Mansour die Gefolgschaft. Wie ein Taliban-Mitglied sagte, verließ er mit anderen Familienmitgliedern das Treffen, bei dem Mansour gewählt wurde.

Am Samstag rief Mansour in einer Audiobotschaft zur Geschlossenheit auf. Auch ein Kommandant des gefürchteten Haqqani-Netzwerks forderte die Taliban auf, sich hinter Mansour zu stellen. Der aktuelle Streit "schwächt die Bewegung und wird den ausländischen Streitkräften nutzen", sagte er AFP. Das andere Taliban-Mitglied verlangte aber von Mansour und seinen Verbündeten eine Erklärung, warum sie ihnen zwei Jahre lang die Nachricht vom Tod Mullah Omars verschwiegen.

"Täuschten sie uns, in dem sie falsche Erklärungen in seinem Namen herausgaben, um die eigenen Interessen zu fördern?", fragte er. Die Taliban nannten kein Todesdatum ihres Gründers und langjährigen Anführers, laut der afghanischen Regierung starb Mullah Omar aber bereits im April 2013 in der pakistanischen Hafenstadt Karachi. Noch vergangenes Monat wurden jedoch Erklärungen in seinem Namen herausgegeben.

Omar war von 1996 bis 2001 an der Spitze der Taliban-Regierung in Afghanistan gestanden, Mansour war sein Luftfahrtminister gewesen. Mansour hatte am Samstag auch angekündigt, den Kampf gegen die afghanische Regierung fortzusetzen. (APA, 3.8.2015)

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