Salzburger Abtreibungsklinik ist schwer zu finden

4. August 2015, 11:45
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Gynmed-Ambulanz scheint weder im Telefonverzeichnis noch auf der Homepage der Landeskliniken auf

Salzburg – Seit zehn Jahren gibt es in den Salzburger Landeskliniken (SALK) die Gynmed-Ambulanz, die Frauen mit ungewollten Schwangerschaften betreut. Jedes Jahr werden dort bis zu 900 Frauen behandelt. Doch viele Patientinnen finden seit kurzem den Weg zu der Abtreibungsklinik nicht mehr.

Die SALK hat ein neues Leitsystem aufgestellt, anhand der Beschilderung sei die Gynmed-Ambulanz nur noch schwer zu finden, sagt deren medizinischer Leiter Christian Fiala. "Wir müssen immer wieder rausgehen und die Patientinnen abholen oder sie per Telefon zu uns lotsen." Als eine Patientin einmal in einer anderen Ambulanz gelandet sei und nach der Gynmed-Ambulanz fragte, hätten die Kollegen dort nicht einmal die Telefonnummer im internen Telefonverzeichnis gefunden, schildert der Gynäkologe ein weiteres Problem.

Auch auf der Homepage der SALK ist kein Eintrag über die Ambulanz für Schwangerschaftsabbrüche zu finden. "Ich möchte keine Unterstellungen machen. Aber es ist ein bisschen komisch, wenn in den offiziellen Verzeichnissen die Gynmed nicht vorkommt, ob das nun bewusst oder versehentlich passiert ist", sagt Fiala.

SALK: Keine Absicht, Übergangsphase

Die Sprecherin der SALK, Mick Weinberger, versichert im Gespräch mit dem STANDARD, dass dahinter keine Absicht stehe. Die komplette Information im Krankenhausbetrieb sei auf neue Beine gestellt worden. Das neue Leitsystem von einer professionellen Firma sei aber noch nicht ganz fertig. "Es kann sein, dass es in der Übergangsphase schwierig ist, die Gynmed-Ambulanz zu finden. Es sind aber noch nicht alle Schilder aufgestellt", erklärt Weinberger.

Dass die Ambulanz nicht auf der Homepage zu finden sei, könne daran liegen, dass die Seite noch nicht freigeschalten wurde. "Wir haben eine neue Homepage und noch nicht alle Seiten sind aktiviert", sagt die SALK-Sprecherin. Im Telefonverzeichnis scheine die Nummer wohl nicht auf, weil es sich um einen externen Anschluss handle. Die Nummer könne aber jederzeit ins Verzeichnis aufgenommen werden, sagt Weinberger. "Diese Widrigkeiten sind nicht beabsichtigt."

"Ambulanz ist unumstritten"

"Die Gynmed-Ambulanz bei uns am Standort ist unumstritten", betont Weinberger. Der Vorteil am Standort in der SALK sei, dass die Klientinnen anonym und sehr geschützt die Ambulanz aufsuchen können, um nicht belästigt zu werden, etwa von Abtreibungsgegnern.

Die Abtreibungsklinik wurde 2005 unter der Regierung von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) errichtet. Die Eröffnung war heiß umstritten. Die SPÖ begrüßte die Errichtung der Einrichtung, die ÖVP hingegen war vehement dagegen und stellte den Bedarf der Gynmed infrage. (Stefanie Ruep, 3.8.2015)

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