Wortgewalt im Netz

Einserkastl2. August 2015, 19:09
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Eine humane Gesellschaft kann sich Hasspostings nicht leisten

Menschen, die kleinen Kindern den Tod wünschen, zu unterschiedlichen Arten von Ermordung aufrufen – von Flammenwerfer bis Klippenschubser war schon alles Mögliche dabei -, Menschen, die Kriegsüberlebenden einen Schlafsack um 20 Euro neiden: Was ist, verdammt noch mal, falsch gewickelt bei solchen Mitbürgern?

Wann spricht es sich endlich herum, dass verbale Gewalt genauso Gewalt ist wie jede andere, mit teils gravierenden Folgen für Opfer und Täter? Das Mitleid mit Menschen, die aufgrund von Hasspostings gekündigt oder abgestraft werden, will sich in Grenzen halten. Wenn diese Täter und Täterinnen mit handfesten Konsequenzen, aber auch mit therapeutischer Begleitung und Bewährungshilfe rechnen können, besteht zarte Hoffnung, dass sie ihre Taten überdenken.

Eine freundliche Abmahnung ist jedenfalls auch nach erfolgter Entschuldigung nicht die adäquate Reaktion auf Menschen, die verbale Gewalt gegenüber anderen ausüben, denn sie verursachen doppelten Schaden. Einerseits durch die Bedrohung der Opfer, andererseits durch die Ermunterung von Labilen oder Gleichgesinnten, noch mehr solcher Gewalt in Umlauf zu bringen. Das summiert sich, steckt an und könnte schließlich eine Verschiebung der Duldbarkeitsgrenzen bewirken. Das wiederum kann sich eine halbwegs funktionierende humane Gesellschaft einfach nicht leisten. (Julya Rabinowich, 2.8.2015)

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    foto: dpa/nicolas armer
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