Flüchtlingskrise: Paris und London fordern Hilfe bei Bewältigung

2. August 2015, 16:17
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Zahl der Fluchtversuche am Eurotunnel zurückgegangen

London/Calais/Paris – Angesichts der Flüchtlingskrise am Eurotunnel haben Frankreich und Großbritannien Unterstützung der anderen EU-Staaten verlangt. Die Welt leide unter einer "globalen Flüchtlingskrise" – diese könne aber nicht von Frankreich und Großbritannien allein geschultert werden, erklärten der französische Innenminister Bernard Cazeneuve und seine britische Amtskollegin Theresa May am Sonntag.

Für Paris und London habe das Vorgehen gegen illegale Grenzübertritte am Ärmelkanal "oberste Priorität". In einer gemeinsamen Stellungnahme, die in der französischen Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" sowie im britischen "Sunday Telegraph" veröffentlicht wurde, appellierten Cazeneuve und May an die europäische Solidarität: "Viele von denen in Calais, die versuchen, den Ärmelkanal zu überqueren, sind durch Italien, Griechenland oder andere Länder gekommen", schrieben sie. Die Krise müsse da in Angriff genommen werden, wo sie anfange: Es müsse "die Zahl der Migranten reduziert werden, die von Afrika nach Europa kommen".

In den beiden Textversionen gab es leichte Differenzen. So heißt es in der französischen Version, London und Paris arbeiteten "Hand in Hand mit den anderen Staaten" der EU für eine Lösung. In der englischen Version heißt es, London und Paris würde "andere Mitgliedstaaten – und die EU als Ganzes – drängen, das Problem an der Wurzel anzugehen".

2.000 Fluchtversuche pro Nacht

Seit Wochen versuchen nahe dem nordfranzösischen Calais immer wieder Migranten, nachts zum Eurotunnel vorzudringen, um an Bord von Güterzügen nach Großbritannien zu gelangen. Mitunter wurden pro Nacht 2.000 Fluchtversuche registriert.

"Diese Situation anzugehen, ist die oberste Priorität für die Regierungen Großbritanniens und Frankreich", erklärten Cazeneuve und May. Beide Regierungen seien "entschlossen", das Problem "gemeinsam zu lösen". "Unsere Straßen sind nicht mit Gold gepflastert", erklärten sie und fügten hinzu, dass aus beiden Ländern derzeit pro Monat rund 200 Migranten abgeschoben würden.

Nach einem Treffen mit Cazeneuve am Dienstag hatte May angekündigt, umgerechnet zehn Millionen Euro zusätzlich für die Grenzsicherung bereitzustellen. Frankreich schickte 120 zusätzliche Polizisten nach Calais, insgesamt sind dort nun 550 Beamte im Einsatz. Diese Maßnahmen seien ein "klares Signal", erklärten die Minister.

Auch am Wochenende registrierten die Behörden in Calais Hunderte Fluchtversuche, doch nach der Verstärkung des Sicherheitsaufgebots waren es weniger als zuvor. In der Nacht auf Samstag wurden laut Polizei etwa 300 Fluchtversuche registriert, in der Nacht auf Sonntag 400. Alleine in der Nacht auf Freitag waren es noch etwa 1.000 gewesen. Seit Juni gab es bei solchen Versuchen mehrere Tote.

Laut einer Eurotunnel-Sprecherin war der Tunnel in der Nacht auf Sonntag fünf Stunden lang gesperrt. Die Flüchtlinge hätten offenbar ihre Strategie geändert und seien nun in größeren Gruppen unterwegs gewesen, die schwerer zu kontrollieren seien.

Unbehagen angesichts der Aufrüstung

Die Lage in Calais erhitzt in Frankreich immer mehr die Gemüter, wobei sich der Zorn vor allem gegen die britische Regierung richtet. Der Oppositionsabgeordnete der konservativen Partei Die Republikaner, Xavier Bertrand, warf Premierminister David Cameron im "Journal du Dimanche" vor, das Problem nicht ernst zu nehmen. Mit Geld allein sei dieses nicht zu lösen. London müsse seine Gesetze ändern, die es möglich machten, ohne Papiere in Großbritannien zu arbeiten. Bertrand will Regionalpräsident in der Region um Calais werden.

Auch die Bürgermeisterin von Calais, Natacha Bouchart, warf London vor, die Franzosen mit dem Problem allein zu lassen. Die Parteikollegin von Bertrand äußerte im Gespräch mit AFP zugleich Unbehagen angesichts der Aufrüstung mit immer mehr Beamten, Spürhunden und Zäunen.

Der französische Präsident Francois Hollande hatte am Freitagabend mit Cameron telefonisch über die Lage beraten. Zuvor hatte er gesagt, Frankreich komme seiner Verantwortung nach, könne dies aber nicht allein tun. (APA/AFP, 2.8.2015)

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