Pressefotograf unter den fünf in Mexiko-Stadt entdeckten Mordopfern

3. August 2015, 10:11
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Leichen von 31-Jährigem und vier Frauen wiesen Folterspuren auf

Mexiko-Stadt – Zu den fünf Menschen, die in einer Wohnung in Mexiko-Stadt ermordet und anscheinend mit Folterspuren aufgefunden wurden, zählt nach Angaben einer Medienrechtsorganisation auch ein 31-jähriger Pressefotograf. Ruben Espinosa, der unter anderem für das renommierte Magazin "Proceso" gearbeitet habe, zähle zu den Opfern, teilte die Organisation Articulo 19 am Sonntag mit.

Der Journalist habe vor allem über soziale Proteste in Mexiko berichtet. Zuletzt war Espinosa in seiner Heimat Veracruz im Osten des Landes von Unbekannten angegriffen und bedroht worden. Daraufhin floh er in die Hauptstadt.

In Mexiko werden immer wieder Journalisten getötet. Seit 2007 wurden nach Angaben des Committee to Protect Journalists (CPJ) mehr als 50 Medienschaffende ermordet oder verschleppt. Die Taten werden nur selten aufgeklärt.

"Der Mord an Ruben Espinosa ist ein weiterer Meilenstein der Gewalt gegen die Presse", heißt es in einer Mitteilung der Journalisten-Organisation Articulo 19. Die Gruppe rief die Behörden auf, die Täter zu Verantwortung zu ziehen und Journalisten besser zu schützen.

Mit Schusswunden übersät

Die fünf Leichen waren am Freitagabend (Ortszeit) in einem Haus in einem Mittelschicht-Viertel im Süden der mexikanischen Hauptstadt nach einem Anruf von Nachbarn gefunden worden. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag mitteilten, waren die Leichen mit Schusswunden übersät, die Opfer waren außerdem mit Klebeband gefesselt und wurden augenscheinlich gefoltert. Außer Espinosa wurden vier Frauen getötet. Ihre Identität wurde bisher nicht offiziell mitgeteilt, auch zu den Motiven für die Bluttat wurden keine Angaben gemacht.

Die Zeitschrift "Proceso" verkündete Espinosas Tod auf ihrer Website und gab an, die Leiche des Fotografen habe Spuren eines Schlags ins Gesicht und zwei Schusswunden aufgewiesen. Bei den vier getöteten Frauen habe es sich um Freundinnen von Espinosa gehandelt, darunter eine Menschenrechtsaktivistin aus Veracruz. Die Frauen seien nicht journalistisch tätig gewesen, gab Articulo 19 an.

Mit Espinosa wurden seit Jahresbeginn sieben Journalisten in Mexiko getötet. Sein gewaltsamer Tod löste Erschütterung aus. In der Stadt Veracruz demonstrierten am Sonntagmorgen etwa hundert Menschen aus Trauer um ihn, in Xalapa, der Hauptstadt des Bundesstaates Veracruz, versammelten sich am Samstagabend Trauernde und zündeten Kerzen an.

In Mexiko tobt ein Drogenkrieg zwischen verfeindeten Kartellen, bei dem seit 2006 mehr als 100.000 Menschen getötet wurden. Besonders beim Fund von Leichen mit Folterspuren gehen die Behörden oft von Opfern der Drogengewalt aus – allerdings sind diese in der Hauptstadt vergleichsweise selten. (APA, 3.8.2015)

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