Koschischek: Die Entdeckung der Schnelligkeit

31. Juli 2015, 17:55
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Vor wenigen Monaten wollte die Wienerin ihre Karriere beenden, dann wechselte sie den Trainer, schwamm das Olympia-Limit, erstaunte sich damit selbst. Der Spaß ist zurück, die Laufbahn verlängert

Kasan/Wien – Markus Rogan, Mirna Jukic, Dinko Jukic, Maxim Podoprigora, Fabienne Nadarajah. Österreich brachte in den vergangenen Jahren viele erfolgreiche Schwimmer und Schwimmerinnen hervor. Birgit Koschischek war Teil dieses erfolgreichen Teams. Eine Medaille bei internationalen Wettkämpfen schaffte sie aber nie. Ihr bestes Ergebnis: Platz fünf über 100 m Delfin bei der Kurzbahn-EM 2012 in Chartres.

Nach den Rücktritten von Rogan, Mirna Jukic, Podoprigora und der Auszeit Dinko Jukics infolge seiner Querelen mit dem Verband, steht Österreichs Schwimmteam nicht mehr ganz so gut da. In Lisa Zaiser (20), EM-Dritte über 200 m Lagen in Berlin 2014, hat es aber wieder eine große Hoffnungsträgerin. Und Koschischek? Ist auch noch dabei. Dass die Wienerin stets im Hintergrund ihrer Teamkollegen stand, störte sie nie. "Ich war nie jemand, der sich ins Rampenlicht gedrängt hat", sagt sie. "Ich mache das für mich."

Die Reißleine der Karriere

Im Februar hatte sie eigentlich genug vom Schwimmsport, wollte ihre Karriere beenden. Der Wechsel nach Graz zu Startrainer Dirk Lange hatte sich für Koschischek nicht ausgezahlt. "Es hat zwischenmenschlich nicht mehr gepasst. Ich musste die Reißleine ziehen." Die 28-Jährige ging Anfang des Jahres zurück nach Wien zu ihrem ehemaligen Trainer Walter Bär. Abtrainieren hätte sie sowieso müssen. Also schwamm Koschischek weiter, weniger Umfänge. Täglich morgens zwei Stunden im Wiener Stadthallenbad. Und plötzlich lief es wieder richtig gut. Koschischek, Studentin der Sportwissenschaften, trat Mitte Juli bei der Universiade in Gwangju (Südkorea) an. Die 50 m Kraul schaffte sie im Vorlauf in 25,20 Sekunden. Damit knackte sie, als vierte österreichische Schwimmerin, das Limit für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Im Finale, die Bestätigung: 25,17 Sekunden. Nur die Medaille verfehlte sie als Vierte knapp. Ihre Leistungen überraschten sie selbst.

Das Karriereende war vorerst vom Tisch. Das nächste Großereignis steht an: die WM in Kasan. Die Schwimmbewerbe steigen ab Sonntag. Koschischek startet über 50 und 100 m Kraul. "Ich will meine Leistung abrufen. Ein Semifinaleinzug würde mich freuen." Über ihre ursprüngliche Lieblingsstrecke 100 m Delfin tritt sie in Russland nicht an. Bei Lange sei sie kaum Delfin geschwommen. In Graz fühlte sie sich nicht gut betreut. "Wir haben alles intensiv gemacht. Wir hatten keine Trainingssteuerung." Jetzt achtet sie mehr auf die Regeneration.

Der Blick ins Geldbörserl

Auf ihre Finanzen muss Koschischek auch achten. Wichtige Einnahmequellen sind ihr abhandengekommen. Koschischek wird nicht mehr im Rahmen des Förderprogramms des Sportministeriums "Team Rot-Weiß-Rot", und auch nicht mehr von der Sporthilfe unterstützt. Sie hat noch ihren Sponsor Ströck und die Unterstützung des Bundesheeres. Koschischek: "Mir ist die Hälfte weggefallen." Der finanziell klamme Verband kann da kaum aushelfen. Auch Extraleistungen wie Trainingslager gäbe es nicht. Koschischek: "Das war aber früher auch nicht besser."

Die Verbandsquerelen verfolgt sie aus den Medien, belasten sie nicht. Koschischek konzentriert sich auf ihr Studium und aufs Schwimmen. Sie hat den Spaß wiedergefunden. "Ich mag es meinen Körper einem gewissen Limit auszusetzen." Und was ist mit einer Medaille? Koschischek lacht. "Darüber denke ich gar nicht nach. Es ist schwierig." (Birgit Riezinger, 31.7.2015)

  • Birgit Koschischek trainiert weniger, regeneriert mehr und schwimmt schneller. Die Wienerin kann für ihre dritten Olympischen Spiele planen, nächste Woche tritt sie bei der WM in Kasan an.
    foto: reuters/gray

    Birgit Koschischek trainiert weniger, regeneriert mehr und schwimmt schneller. Die Wienerin kann für ihre dritten Olympischen Spiele planen, nächste Woche tritt sie bei der WM in Kasan an.

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