WM in Dänemark: Der fliegende Isländer

1. August 2015, 11:05
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In Dänemark wird die WM für Islandpferde gegeben. Aus Österreichs Team ragt ein Weltrekordler heraus

Herning/Wien – Die Isländer sind die einzige Pferderasse, für die eine eigene Weltmeisterschaft veranstaltet wird. Das liegt an den einschlägigen, genetisch fixierten Talenten der kleinen, starken Tiere mit dem gewaltigen Vorwärtsdrang, die seit 1000 Jahren dazu gezüchtet wurden, um isländische Bauern flott über ihre unwegsame Insel zu tragen. "Little Big Horse" wird das Pferd auch genannt, das maximal ein Stockmaß von 1,48 Metern aufweisen sollte.

Naturgemäß gehen Isländer Schritt, traben und galoppieren. Doch ihre Extras sind der Tölt, eine bis ins hohe Tempo gelaufene und für den Reiter außerordentlich bequeme Gangart in vier Takten, und der Rennpass, ein fliegender Zweitakt, über den nicht einmal alle Isländer verfügen. Um im Pass richtig stabil und schnell zu sein, ist jahrelanges Training und also vor allem die Gesunderhaltung erforderlich. Jungspatzen pflegen in dieser Disziplin an der Weltspitze keinen Auftrag zu haben. Im Pass springt das Pferd von einem lateralen Beinpaar auf das andere, je ausgeprägter die Flugphase dazwischen, desto höher das Tempo. Geritten wird diese Gangart auf der Geraden, denn sie ist nicht kurventauglich. Ein Galoppsprung zieht die Disqualifikation nach sich.

Der Chef der Szene

Im Rennpass ist der in Österreich gezogene Frami von Oswald der Chef der Szene, die sich von Island über Europa und Nordamerika ausgebreitet hat. Seit 2012 hält der Porzellanschecke den Weltrekord, schaffte bei den mitteleuropäischen Meisterschaften bei Frankfurt die 100 Meter in 6,95 Sekunden. Das sind etwas mehr als 50 km/h im Schnitt. Mit fliegendem Start zwar, aber dafür mit der Oberösterreicherin Carina Mayerhofer auf dem Buckel. Mit der heute 27-Jährigen arbeitet der heute 18-Jährige seit 2006 zusammen. "Jetzt ist er in Höchstform", sagt Mayerhofer. Frami bewies das Anfang Juli bei den international besetzten österreichischen Meisterschaften im oberösterreichischen St. Radegund, wo er zu Hause ist. In der Passprüfung erreichte er beim Heimspiel in beiden Durchgängen 8,92 Punkte, das ist Jahresweltbestleistung.

In besagter Prüfung marschiert Frami im Schritt los, töltet ein Stück, springt in den Galopp, aus dem ihn Mayerhofer vor der 50-m-Marke in den Pass legt. Nach 150 Metern wird er in den Tölt und dann in den Schritt zurückgenommen. Schaut ganz einfach aus, die reiterliche Einwirkung bleibt unsichtbar. "Da stecken viele Jahre harte Arbeit dahinter." Die Ausführung wird benotet, die Zeit wird umgerechnet. Zehn Punkte sind theoretisch das Maximum, in der Praxis kommen sie nicht vor.

Spektakel aus der Startbox

Im Speedpass zählen nur die 100 Meter zwischen den Zeitschranken, gibt es keine Note, entscheidet die Stoppuhr, der Pass muss freilich korrekt sein. Der dritte Bewerb auf der Passbahn ist das spektakuläre Passrennen über 250 Meter, bei dem jeweils zwei Reiterpferdpaare aus der Startbox schießen. Auf der Ovalbahn finden Tölt-, Viergang- und Fünfgangbewerbe statt, die Wertung ist Sache der Preisrichter. Frami hat sich auf die Passprüfung und den Speedpass spezialisiert. Bereits bei der WM 2007 gewann Mayerhofer, damals als Junge Reiterin (bis 21) mit Frami zwei Bronzene. Bei der bisher letzten WM 2013 in Berlin wurden das Duo Vizeweltmeister. In Herning fliegen sie in der Favoritenrolle. Und die WM 2017 steht auch noch auf dem Plan. Schließlich war der Weltmeister von Berlin auch schon über 20. Nicht nur der Reiter, auch sein Pferd.

Frami und Mayerhofer trainieren fünf- bis sechsmal pro Woche. "Kraft, Kondition, Ausdauer, Sprints und Dressur", erklärt sie. Die Dressurarbeit ist wichtig für die Durchlässigkeit. Zudem gehen die beiden regelmäßig ins Gelände. Das dient nicht nur der Kondition, sondern auch der Klarheit im Kopf. Ein Pferd, das immer nur die Rennbahn sieht, muss ja einen Vogel kriegen. (Benno Zelsacher, 1.8.2015)

  • Frami von St. Oswald und Carina Mayerhofer halten den Weltrekord.
    foto: zelsacher

    Frami von St. Oswald und Carina Mayerhofer halten den Weltrekord.

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