"Der Kuchen war früher kleiner"

5. August 2015, 12:00
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Heike Curtze, wie jedes Jahr in Salzburg zu Gast, feiert 40-jähriges Galeriejubiläum

Den ganzen Messewahnsinn, den gab es früher überhaupt nicht", sagt Heike Curtze. Auch bei der Art Basel herrschte eine relativ entspannte Atmosphäre, erinnert sich die Galeristin. "Da wurden die Leute noch nicht zur Pre-Pre-Preview eingeflogen. Jetzt dominiert nur mehr das große Geld. Das finde ich ein bisschen unerfreulich."

Curtze, 1943 "in der Provinz, in der Nähe von Kassel" geboren, blickt heuer auf 40 Jahre "Galerie Heike Curtze" zurück. Der Wind sei schärfer geworden, sagt sie. "Der Zusammenhalt war früher viel stärker, aber der Kuchen war kleiner und die feindliche Umwelt größer." Hat der globale Markt die Konkurrenz angeheizt? "Ja." Wahrscheinlich bräuchte es heute mehr wirtschaftliche Ressourcen als 1975, als Curtze mit einer eigenen Galerie startete – schließlich sind nicht nur die Messeteilnahmen kostspieliger geworden. Trotzdem würde sie es wieder tun: "Weil es ein ganz toller Beruf ist."

Vier Jahre hatte Curtze, die Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft studiert hat, für die Kölner Dependance der Wiener Galerie Ariadne in Köln gearbeitet, dann war sie reif für "Jetzt mach ich das allein". Identifikation mit dem Programm war das Stichwort: "Wenn man jung ist, da möchte man nur die allertollsten Künstler vertreten." Begeistert haben Curtze jene, die "die Grenzen der Kunst verschoben haben", dazu zählten freilich auch die Vertreter des Wiener Aktionismus.

Die erste eigene Ausstellung galt dann den Bildern von Christian Ludwig Attersee. Und auch sonst setzte Curtze in den frühen Jahren auf eine junge Riege österreichischer Künstler, wie Günter Brus, Karl Prantl, Dominik Steiger, Kurt Kocherscheidt – und Arnulf Rainer. Für dessen OEuvre konnte sie in Düsseldorf (sein Name sei präsent gewesen, nicht aber seine Arbeit) einige Sammler gewinnen.

Ganz rasch kam ein zweiter Standort hinzu: Wien, das Curtze vom Studium kannte und das die an Theater und Oper Interessierte als wunderbaren Galeriestandort bezeichnet: "Es ist für Sammler ein attraktives Reiseziel, das kann man schon benützen." 1978 galt es aber, ihren Künstlern auch in der Heimat eine Plattform zu bieten. Damals war es auch hier noch beschaulicher: Es gab etwa die Galerie Ulysses, nächst St. Stephan, Grita Insam und in der Grünangergasse die Avantgardegalerie von Kurt Kalb. Weil der dieses Unterfangens bereits überdrüssig war, konnte Curtze die Räume übernehmen.

Außerdem war Kunst noch weniger Spekulationsobjekt, Messen viel rarer. "Kunst ist doch in erster Linie ein geistiger Prozess, man muss auch die Ruhe haben, sich damit zu beschäftigen." Das gelinge auf Messen nicht, sagt Curtze, die daher lieber in der Galerie arbeitet, "mit Leuten, die sich Zeit nehmen, Kunst anzuschauen". Ans Sichzurückziehen denkt sie deshalb nicht, auch wenn sie seit einem Jahr mit Petra Seiser eine Partnerin in der Galerie hat. Aber die Idee hinter diesem Schritt war auch, "eine andere Generation anzusprechen". (Anne Katrin Feßler, Album, 5. 8. 2015)

  • Heike Curtze ist seit 40 Jahren Galeristin: "Es ist ein toller Beruf."
    foto: milena kramer

    Heike Curtze ist seit 40 Jahren Galeristin: "Es ist ein toller Beruf."

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