Glyphosat: EU-Behörde überprüft Bericht zur Schädlichkeit

31. Juli 2015, 14:55
72 Postings

Laut WHO ist das Herbizid "wahrscheinlich krebserzeugend", laut Ages "für Verbraucher unbedenklich"

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird die Ergebnisse eines Berichts der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) bewerten. Dieser kam im März zum Schluss, dass das Herbizid Glyphosat "wahrscheinlich krebserzeugend" für den Menschen ist. Glyphosat, einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe in Herbiziden, ist in der EU noch bis Ende 2015 zugelassen.

Eine turnusmäßige Neuzulassung ist derzeit im Gange. Wann diese erfolgen wird, ist jedoch noch unbekannt. Im EU-weiten Zulassungsprozess ist Deutschland als Berichterstatter für die Koordination zuständig. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat dazu die Gesundheits- und Umweltrisiken von Glyphosat überprüft und sieht nach eigenen Angaben "keine Hinweise auf krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat".

Laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) nehmen Verbraucher in Österreich nach aktuellem Wissensstand auch keine gesundheitlich bedenklichen Mengen von des Wirkstoffs über Nahrung und Trinkwasser auf.

Unterschiedliche Ergebnisse

"Der Wirkstoff Glyphosat wurde bis dato weder von den europäischen Agenturen EFSA und ECHA noch von dem für die Bewertung von Pestizid-Wirkstoffen zuständigen Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) der FAO/WHO als "kanzerogen" (krebserregend) bewertet", hieß es in einer Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) Anfang Juli 2015.

Die IARC-Fachleute haben hingegen bereits im März in der britischen Medizinfachzeitschrift "Lancet Oncology" eine Risikoeinstufung von vier sogenannten Organophosphaten und von Glyphosat publiziert. Letzteres wird unter die Kategorie 2A – "wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen" – eingereiht.

Nach der Veröffentlichung der IARC-Monografie an diesem Mittwoch, wird diese nun vom BfR im Auftrag der Bundesregierung zunächst "wissenschaftlich" überprüft – "hinsichtlich neuer bisher nicht berücksichtigter Unterlagen, der Bewertungsergebnisse, der Qualität und Methodik". Das Ergebnis werde auch an die EFSA geschickt, hieß es nun. Die darauffolgende wissenschaftliche Bewertung der EFSA soll dann noch dieses Jahr der EU-Kommission vorgelegt werden.

Zugleich wies das deutsche Bundesinstitut darauf hin, dass in vielen in der Wissenschaft diskutierten Studien zu einer möglichen krebserregenden Wirkung Glyphosats der Wirkstoff nicht isoliert als Reinsubstanz verwendet werde, sondern als handelsübliches Produkt aus verschiedenen Komponenten. Ihre Aussagekraft sei "eher gering", da die Beistoffe toxischer sein könnten und die Zusammensetzung der Mittel oft nicht beschrieben werde.

Kaum Exposition

Die Exposition des Menschen über Nahrung oder Trinkwasser mit Glyphosat ist in Österreich indes kaum gegeben. Die Ages untersucht Rückstände von Glyphosat und von dessen Abbauprodukt Aminomethylphosphonsäure (AMPA) seit 2010 routinemäßig in Lebensmitteln. Bis 2014 kam es so bisher auf 852 amtlich Lebensmittelproben, großteils Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten.

Seit 2013 wurden auch Obst und Gemüse kontrolliert. Dabei wurden Produkte aus konventioneller als auch aus biologischer Landwirtschaft untersucht, wobei Glyphosat in letzterem Fall nicht angewendet werden darf, hieß es auf dem Online-Portal der Ages.

Bei 93 Prozent der untersuchten Proben waren demnach keine messbaren Rückstände vorhanden, bei den verbleibenden sieben Prozent waren die Rückstände oberhalb der Bestimmungsgrenze. Am häufigsten wurde Glyphosat in Linsen und Leinsamen nachgewiesen. Insgesamt wurden 14 Proben (1,6 Prozent) – ausschließlich Linsen und Leinsamen – wegen Glyphosat beanstandet.

Bei neun Proben handelte es sich um Produkte aus biologischem Anbau, die aufgrund der gemessenen Rückstände nicht den Kriterien für Lebensmittel aus biologischer Produktion entsprachen. Die Ages führt seit 2008 zudem Untersuchungen auf Glyphosat und AMPA für Trinkwasserversorgungsanlagen durch und hat in diesen Proben bisher keine Rückstände gefunden. (APA, 31.7.2015)

  • Über die Schädlichkeit von Glyphosat sind sich die Experten weiterhin uneinig.
    foto: reuters/charles platiau

    Über die Schädlichkeit von Glyphosat sind sich die Experten weiterhin uneinig.

Share if you care.