Große Schiffe, kleine Boote

6. August 2015, 11:18
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Merle Kröger beschreibt ihren Thriller als "dokumentarische Recherche"

Das ist ärgerlich: Wegen eines Schlauchboots mit Flüchtlingen muss das Kreuzfahrtschiff Spirit of Europe seine Fahrt im Mittelmeer unterbrechen und warten, bis Rettung vom Festland naht. Kurz ist die Aufmerksamkeit der Passagiere auf die Elenden da unten gerichtet, bevor man sich neuen Unterhaltungen zuwendet. Ein Entertainer fällt vom Schiff. Gesehen haben das nur die Überwachungskameras. Wieder geht dem Fischer Diego eine Leiche ins Netz, er liefert sie routinemäßig ab.

Auf einem Frachtschiff macht sich ein Ukrainer Gedanken über die Zukunft, und Merle Kröger macht aus diesen Momentaufnahmen ein dichtes Gewebe von Schicksalen. Wer zu den schuftenden Unsichtbaren im Bauch eines Kreuzfahrtschiffes gehört, hat keine eigene Identität. Da kann schon einmal wer verschwinden, ein anderer mit gefälschten Papieren auftauchen. Kröger treibt das Geschehen im Telegrammstil voran. Sie beschreibt den Text als "dokumentarische Recherche". Dazu bedarf es der klugen Auswahl aus den Fakten. Das ist ihr gut gelungen. (Ingeborg Sperl, Album)

Merle Kröger, "Havarie". € 15,50 / 223 Seiten. Ariadne-Verlag, Hamburg 2015

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Krimiblog

  • cover: ariadne-verlag


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