Frischzellenkur für Anleger mit langem Atem

2. August 2015, 15:06
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Langfristig betrachtet wirken die Wachstumsaussichten im Bereich Gesundheit vielversprechend. Auf kurze Sicht auch mit Rücksetzern zu rechnen

Dass das Thema Gesundheit den meisten Menschen lieb und teuer ist, spiegelt sich auch an der Börse wider. Kaum eine Branche hat sich in den vergangenen Jahren so gut entwickelt wie das Gesundheitswesen, weshalb die Bewertungen teilweise schon recht ambitioniert sind. Die Aussichten rechtfertigen dies jedoch langfristig durchaus, wenn es nach Thomas Hartauer, Vorstand des deutschen Finanzdienstleisters Lacuna, geht. "Wenn die Leute krank sind, werden sie im Zweifel ihr Geld für Medikamente ausgeben anstatt für ein neues Handy", gibt er zu bedenken.

Besonders die Region Asien und Pazifik sieht Hartauer wegen des enormen Aufholpotenzials gegenüber den Industriestaaten als Wachstumstreiber für den gesamten Sektor. Demnach werden in den USA fast 18 Prozent des Bruttosozialprodukts für Gesundheit aufgewendet, in Österreich belaufen sich die Ausgaben auf 11,5 Prozent. Dagegen nehmen sich die Werte für Indien mit vier Prozent sowie 5,4 Prozent in China noch sehr bescheiden aus. Auch Russland kommt bloß auf einen Anteil von 6,3 Prozent.

"Der Bereich Healthcare wird über die nächsten Jahrzehnte mit mehr als fünf Prozent pro Jahr wachsen, während das globale BIP-Wachstum nur zwei bis drei Prozent betragen wird", hebt Cyrill Zimmermann vom Schweizer Fondsanbieter Bellevue Asset Management die überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten hervor. Als Ursache sieht Zimmermann drei wesentliche Treiber hinter dem langfristigen Wachstumspotenzial des Sektors.

Drei Wachstumstreiber

Dabei handle es sich um die technische Entwicklung, sowohl im Bereich Medizintechnik als auch in dem der Biotechnologie, die laufend zusätzliche Heilungsmethoden hervorbringe. Das spiegelt sich auch in den jeweiligen Wachstumsraten wider: Laut Zimmermann verzeichne die Medizintechnik mit einem globalen Marktvolumen von 130 Milliarden US-Dollar 15 Prozent jährliches Wachstum, Biotech kommt bei 120 Milliarden Umsatz auf ein zehnprozentiges Wachstum.

Dazu kommt die Wirkung des demografischen Wandels, der zu einer zunehmenden Überalterung der Menschheit führen wird. Zimmermann verweist auf eine Prognose der Vereinten Nationen, der zufolge die Weltbevölkerung bis 2050 auf 9,1 Milliarden Menschen ansteigen wird. Im selben Zeitraum soll sich der Anteil der über 60-Jährigen von derzeit rund elf Prozent auf fast 22 Prozent zur Mitte des Jahrhunderts erhöhen.

Wandel des Lebensstils

Bis auf Allergien und Asthma würden die meisten Volkskrankheiten mit zunehmendem Alter immer häufiger auftreten, meint Zimmermann und verweist auf die sogenannte 80/80-Regel: "Wenn Menschen über 80 Jahre alt werden, bekommen sie zu 80 Prozent ein Problem mit dem Herzen."

Als dritten Wachstumstreiber führt Zimmermann den globalen Wandel des Lebensstils an. Laut einer OECD-Prognose soll sich in der Region Asien/Pazifik die Anzahl der Menschen, die der Mittelschicht zuzurechnen sind, auf über drei Milliarden versechsfachen. Gleichzeitig werde die Kalorienzufuhr in dieser Region enorm ansteigen und soll sich mit rund 3000 Kalorien pro Tag dem Niveau der Industriestaaten annähern, wo laut der US-Gesundheitsbehörde 2030 bereits 3500 pro Tag zu sich genommen werden. Als Folge erwartet Zimmermann eine globale Zunahme von Fettleibigkeit: "Das steigert das Risiko von chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Herzproblemen."

Diesen Ausführungen steht jedoch in manchen Bereichen des Gesundheitswesens ein gewisses Rückschlagspotenzial gegenüber. Ein Beispiel dafür liefert etwa der Nasdaq Biotech Index, der sich in den vergangenen vier Jahren vervierfacht hat. Zum Teil ist dies zwar auch dem weit überdurchschnittlichen Gewinnwachstum der Branche geschuldet, dennoch ist mit zwischenzeitlichen und schmerzhaften Rücksetzern zu rechnen – ähnlich, wie sie die Technologiebranche nach dem Boom der 1990er-Jahre erlebt hat. (Alexander Hahn, 31.7.2015)

  • Immer mehr Menschen werden künftig Untersuchungen wie eine Computertomografie benötigen. Bevölkerung und Durchschnittsalter nehmen global zu, was zu mehr Krankheitsfällen führen wird.
    foto: apa / helmut fohringer

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