US-Polizist plädiert nach Tötung eines Schwarzen auf nicht schuldig

30. Juli 2015, 18:24
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Weißer Beamter hatte bei Verkehrskontrolle zur Waffe gegriffen

Cincinnati – Ein weißer Polizist, der einen Afroamerikaner bei einer Verkehrskontrolle erschossen hat, muss sich im US-Staat Ohio wegen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft in Cincinnati erhob am Mittwoch Anklage gegen den Beamten, der eine "unglaubliche" und "sinnlose" Tat begangen habe. Der Angeklagte Ray T. plädierte bei einem ersten Auftritt vor Gericht am Donnerstag auf nicht schuldig.

T. hatte dem 43-jährigen Sam DuBose am 19. Juli in den Kopf geschossen. Der 25-jährige Polizist hatte ausgesagt, dass der Afroamerikaner bei der Verkehrskontrolle davongefahren sei und ihn mitgerissen habe. Nach Auswertung der Aufnahmen einer Minikamera, die T. am Körper trug, kam die Staatsanwaltschaft aber zu dem Schluss, dass zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden habe. Der Wagen sei lediglich losgerollt.

Staatsanwalt spricht von "idiotischer" Polizeiarbeit

Staatsanwalt Joseph Deters bescheinigte dem Angeklagten "idiotische" Polizeiarbeit. "Er hatte es nicht mit jemandem zu tun, der wegen Mordes gesucht wird", sagte er. Das Opfer sei angehalten worden, weil bei dem Auto das Nummernschild fehlte. "Sie werden nicht glauben, wie schnell er seine Waffe zieht und ihm in den Kopf schießt. Es dauert vielleicht eine Sekunde", fuhr Deters fort. Der Staatsanwalt vermutete, dass der Polizist die Beherrschung verloren habe, weil DuBose nicht aus dem Auto steigen wollte.

DuBoses Familie begrüßte die Anklage gegen den Polizisten. "Ich bin so erfreut wie es geht, dass wir tatsächlich irgendeine Art von Gerechtigkeit für Sam bekommen werden", sagte seine Schwester Terina Allen vor Journalisten.

Lebenslange Haft möglich

Der Richter legte die Kaution am Donnerstag auf eine Million Dollar (910.000 Euro) fest. Zunächst war nicht bekannt, ob der Angeklagte die Summe aufbringen kann. Bei einer Verurteilung droht dem Polizisten lebenslange Haft.

In den vergangenen Monaten hatte eine Reihe von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA zum Teil gewalttätige Proteste und Debatten über Rassismus bei der Polizei ausgelöst. Ende April wurde die Ostküstenstadt Baltimore von schweren Ausschreitungen erschüttert, nachdem ein junger Afroamerikaner dort in Polizeigewahrsam ums Leben gekommen war.

In Cincinnati kam es am Mittwochabend nur zu kleineren Protesten. Eine Gruppe von Demonstranten hielt Schilder mit der Aufschrift "Schwarze Leben zählen" hoch. "Es gibt offenkundig Gründe für Leute, sauer zu sein", sagte Bürgermeister John Cranley. "Jeder hat das Recht, friedlich zu demonstrieren, aber wir werden keine Gesetzlosigkeit tolerieren." (APA, 30.7.2015)

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