Mensch oder Maschine – oder gar das Dromedar

3. August 2015, 09:00
2 Postings

Passive Investmentfonds erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Oft erzielen sie eine bessere Entwicklung als von Fondsmanagern verwaltete Produkte

Ob Fondsmanager ihr Geld auch wert sind, beschäftigt die Anlegerschaft seit längerem – manchmal auch mit einem Augenzwinkern. Nach der Jahrtausendwende machten nicht ganz ernst zu nehmende Medienberichte die Runde, wonach bei Versuchen Börsenlaien oder sogar Tiere bei Experimenten bessere Ergebnisse als professionelle Anleger erzielt hätten. Was etwa der damals fünfjährigen Tia Roberts oder auch einer Dromedardame namens Laila gelungen sein soll.

In den vergangenen Jahren ist den Fondsmanagern professionellere Konkurrenz erwachsen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Gemeint sind sogenannte Exchange Traded Funds (ETF), also überwiegend passiv gemanagte Investmentfonds, die starr einen gewissen Index nachbilden. Seit 2005 hat sich deren weltweit verwaltetes Vermögen mehr als versechsfacht und erreichte Mitte 2015 rund 2,8 Billionen Dollar.

Über eine Million Indizes

"Das Wachstum wird sich fortsetzen, aber auch etwas verlangsamen", erklärt Alexander Matturri, Chef des Anbieters von Börsenbarometern S&P Dow Jones Indices. Er schätzt, dass im Aktienbereich schon zehn bis 15 Prozent des Gesamtvermögens in ETFs geparkt sind. Als Vorteile der passiven Fonds führt Matturri neben zumeist geringeren Kosten die oftmals bessere Performance ins Treffen, was auch professionelle Investoren zu schätzen wüssten.

Laut einer Untersuchung seines Hauses haben es im Jahr 2014 in Europa 83 Prozent der Fondsmanager und in den USA 86 Prozent nicht geschafft, den Vergleichsindex zu schlagen. Das ist aber kein durchgängiges Phänomen, in Indien schnitten nur 24 Prozent schlechter ab als das jeweilige Börsenbarometer.

Höhere Flexibilität

In der Flexibilität sieht der Chef des Schwesterunternehmens der Ratingagentur Standard & Poor's eine weitere Stärke: "Es bietet Investoren Möglichkeiten, die sie zuvor nicht hatten." Sein Haus berechnet derzeit über eine Million Indizes. Diese Zahl erklärt sich dadurch, dass gängige Börsenbarometer wie der US-Aktienindex S&P 500 in mehreren Varianten berechnet werden. Dazu kommen zahlreiche, mitunter exotisch anmutende Produkte wie ein Index für die am wenigsten schwankenden Aktien Südafrikas. Auch darauf können ETF-Anbieter mit ihren Anlageprodukten aufsetzen.

Dagegen hält der international tätige Finanzdienstleister MFS, der sich auf eine Umfrage unter mehr als 1000 Investmentprofis stützt. Demnach sind 60 Prozent davon überzeugt, dass aktives Fondsmanagement vor allem in fallenden Gesamtmärkten besser abschneidet. "Aktiv gemanagte Strategien streben Mehrertrag über einen vollen Marktzyklus an, der sowohl steigende als auch fallende Märkte umfasst", hebt MFS-Chef Mike Roberge hervor. (Alexander Hahn, 3.8.2015)

  • Bei einem Experiment mit Augenzwinkern hat vor Jahren ein Dromedar an der Börse besser abgeschnitten als ein Anlageprofi. In der Praxis müssen sich die Börsenexperten aber eher gegen passive Indexprodukte behaupten.
    foto: dpa/franziska kraufmann

    Bei einem Experiment mit Augenzwinkern hat vor Jahren ein Dromedar an der Börse besser abgeschnitten als ein Anlageprofi. In der Praxis müssen sich die Börsenexperten aber eher gegen passive Indexprodukte behaupten.

  • Artikelbild
Share if you care.