Fusionen statt nationaler Rüstungs-Champions

31. Juli 2015, 05:29
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Druck auf Europas Rüstungsindustrie steigt – Panzerbauer gehen zusammen

Wien – Eines der Hauptprobleme der europäischen Rüstungsindus trie, so lautet ein Stehsatz in den Analysen von Verteidigungsexperten, seien die "nationalen Champions". Also Rüstungsunternehmen, die aufgrund der sensiblen Branche – kein Land will sich in diesem Bereich abhängig machen – nationalstaatlich organisiert sind und auf nationale Interessen Rücksicht nehmen.

Das einzige echt europäische Unternehmen in diesem Feld ist Airbus, das in seiner Verteidigungssparte 45.000 Menschen beschäftigt und mehr als 14 Milliarden Euro umsetzt. Airbus De fence stellt etwa den Militärtransporter A400M her, Helikopter, Lufttanker, Aufklärungssysteme und (mit der britischen BAE Systems) den Kampfjet Eurofighter. Eine Fusion mit dem britischen "Champion" scheiterte 2012 am Veto der deutschen Bundesregierung.

Nationale Riesen als kleine Fische

BAE Systems seinerseits bietet fast die gesamte Palette an Rüstungsgütern an und erwirtschaftet damit knapp 22 Milliarden Euro. In Frankreich operieren Thales (Elek tro nik, Cybersecurity und Drohnen) und Dassault Aviation (u. a. Rafale-Kampfjets). Italien hat seine Verteidigungsindustrie in der Finmeccanica gebündelt.

Diese nationalen Riesen sind im Weltmarkt dennoch eher kleine Fische, weil Absatzmärkte durch den nationalen Fokus vor allem in Europa eingeschränkt sind und Doppelgleisigkeiten bestehen.

Nischenprodukte aus Österreich

Dadurch steigt der Fusionsdruck: Die Airbus Group entstand im Jahr 2000 (damals als EADS) aus deutsch-französisch-spanischen Unternehmensteilen. In der Raketentechnik haben Airbus, BAE Systems und Finmeccanica ihre Geschäfte zusammengelegt und MBDA (2,8 Mrd. Euro Umsatz, 10.000 Mitarbeiter) gegründet. Diese Woche wurde bekannt, dass die deutschen Panzerbauer von Krauss-Maffei Wegmann und die französische Nextor zusammengehen wollen.

Österreichs Rüstungsindustrie besteht vorwiegend aus Nischenproduzenten. Der Panzerhersteller Steyr etwa gehört zur amerikanischen General-Dynamics-Gruppe. (pra, 31.7.2015)

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