Traditionelle Geschlechterrollen: Nägel mit Köpfen machen

Kommentar30. Juli 2015, 17:05
32 Postings

Statt Imagekampagnen wäre es zielführender, ein Rechtsanspruch auf einen hochwertigen Kinderbetreuungsplatz sicherzustellen

Männer in Karenz sind Weicheier; Mütter, die arbeiten gehen, sind Karrieristinnen. Familienministerin Sophie Karmasin ortet in Österreich eine weite Verbreitung dieser Vorstellungen und will mit einer Imagekampagne dagegen ankämpfen. Das ist prinzipiell lobenswert, sind diese Stereotype doch hochwirksam.

Besonders deutlich wird das bei einer aktuellen Umfrage des Familienministeriums. Der Aussage "Die Aufgabe des Mannes ist es, Geld zu verdienen, die der Frau, sich um Haushalt und Familie zu kümmern" können 30 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer zwischen 16 und 60 Jahren etwas abgewinnen. Dass das Modell vom Familienernährer auch noch im Jahr 2015 so viele Anhänger hat, ist bemerkenswert – zeigen doch zahlreiche Beispiele, dass es nur bedingt tragfähig ist.

Tatsächlich bleibt vielen Müttern nichts anderes übrig, als bei den Kleinkindern zu Hause zu bleiben. Einen geeigneten Betreuungsplatz für Kinder bis zum zweiten Lebensjahr zu finden gleicht hierzulande einem Lotteriespiel. Oft fehlt es an personellen Kapazitäten, um eine adäquate Betreuung zu gewährleisten. Statt Imagekampagnen wäre es zielführender, Nägel mit Köpfen zu machen. Ein Rechtsanspruch auf einen hochwertigen Kinderbetreuungsplatz etwa ab dem ersten Lebensjahr würde sicherstellen, dass Frauen arbeiten können, wenn sie wollen – unabhängig davon, ob der Mann partnerschaftlich sein will oder nicht. (Katrin Burgstaller, 30.7.2015)

Share if you care.