Börsenkandidaten stehen in Deutschland Schlange

31. Juli 2015, 21:55
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Während in Wien weiter Ebbe herrscht, bahnt sich in Frankfurt eine Flut an größeren Platzierungen an

An der Wiener Börse kommt es derzeit eher zu Ab- denn zu Neuzugängen am Aktienmarkt. Konkrete Ankündigungen liegen nicht vor, bloß vage Erklärungen wie bei dem Dauerkandidaten Borealis. Der ehemalige OMV-Chef Gerhard Roiss hat knapp vor seiner Ablöse per Ende Juni erklärt, mit dem Führungswechsel beim Abu-Dhabi-Staatsfonds IPIC, der sowohl an der OMV und der gemeinsamen Tochter Borealis beteiligt ist, seien die Chancen auf einen Börsengang des Kunststoffkonzerns gestiegen.

Nur gering dürften die Chancen auf ein Listing der Energie Steiermark sein, wie es Anlegerschätzer Wilhelm Rasinger vorgeschlagen hat. Demnach sollte das Land Steiermark sein Vorkaufsrecht für den EDF-Anteil ausnutzen und den Versorger in weiterer Folge an die Börse bringen. Wie berichtet hat die französische EDF angekündigt, ihre 25-Prozent-Beteiligung an einen Infrastrukturfonds der australischen Macquarie-Bank zu verkaufen.

Starkes zweites Halbjahr

Im Gegensatz zum Wiener Aktienmarkt kann sich die Deutsche Börse nach einer regen Emissionstätigkeit im ersten Halbjahr auch weiterhin nicht über einen Mangel an Kandidaten für ein Listing beschweren. Laut Goldman Sachs befinden sich in Frankfurt zahlreiche größere Unternehmen knapp vor ihrer Börseneinführung. "Ich kann mir schon vorstellen, dass es fünf bis zehn Börsengänge gibt im zweiten Halbjahr", sagte Christoph Stanger, Leiter des Europa-Geschäfts der US-Investmentbank mit Neuemissionen und Kapitalerhöhungen.

"Die Pipeline ist qualitativ hochwertig." Der Österreicher erwartet größere Emissionen als im ersten Halbjahr, in dem acht Börsenneulinge insgesamt 3,1 Mrd. Euro eingesammelt hatten. Fast sieben Jahre nach der Rettung der Hypo Real Estate feierte ihre Nachfolgerin Deutsche Pfandbriefbank im Juli ein Comeback an der Börse. Mit einem Erlös von fast 1,2 Milliarden Euro war es der heuer bisher größte Börsengang in Frankfurt. Das Emissionsvolumen werde nach dem Sommer voraussichtlich deutlich höher ausfallen als in der ersten Jahreshälfte. "Da hatten wir noch ein recht dünnes Geschäft in Deutschland", räumte Stanger ein.

Namhafte Kandidaten

Zu den wichtigsten Börsenkandidaten für die beiden "Fenster" im September und Oktober sowie November und Dezember, in denen sich Börsengänge (IPO, Initial Public Offering) platzieren lassen, zählen die Bayer-Kunststoffsparte Covestro, die Zugsparte der kanadischen Bombardier und die Reederei Hapag-Lloyd. Aber auch junge Internetfirmen wie der Lieferdienst Delivery Hero, Betreiber der Website Lieferheld.de, und der Möbelhändler Westwing aus dem Imperium von Rocket Internet sowie der Rubrikanzeigen-Dienst Scout24 gelten als aussichtsreiche Anwärter.

Die Kandidaten seien zumeist gut vorbereitet, sagte Stanger, ohne Namen zu nennen. Sie suchten schon vor dem offiziellen Startschuss für den Börsengang den Kontakt zu Investoren. "Das ist mittlerweile die Regel, nicht die Ausnahme."

Auch auf längere Sicht wälzen namhafte Konzerne Börsenpläne, etwa der weltgrößte Prothesenhersteller Otto Bock. "Mit unserer stark wachsenden Gesundheitssparte wollen wir 2017 an die Börse gehen", sagte Eigentümer und Firmenchef Hans Georg Näder. In einem ersten Schritt will er rund 25 Prozent der Otto Bock Health Care bei Investoren platzieren. Zudem plant der südafrikanische Möbelkonzern Steinhoff, in Österreich Eigentümer von Kika/Leiner, einen Wechsel von der Börse in Johannesburg nach Frankfurt. (Reuters; aha, 31.7.2015)

  • Während in Wien weiter Ebbe herrscht, bahnt sich in Frankfurt eine Flut an größeren Platzierungen an.
    foto: michael probst

    Während in Wien weiter Ebbe herrscht, bahnt sich in Frankfurt eine Flut an größeren Platzierungen an.

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