Über die Hälfte des globalen Bevölkerungswachstums findet in Afrika statt

1. August 2015, 11:17
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Neue UN-Hochrechnungen zur weltweiten Bevölkerungsentwicklung müssen zum zweiten Mal in Folge frühere Annahmen nach oben korrigieren

Berlin – Im Jahr 2050 dürfte die Weltbevölkerung knapp 200 Millionen mehr Menschen zählen als bisherige Schätzungen besagten. Dies geht aus der aktuellsten Hochrechnung der Vereinten Nationen hervor, die in dieser Woche veröffentlicht wurde. Statt heute 7,3 Milliarden werden dann 9,7 Milliarden Menschen auf der Welt leben. Damit mussten die Vereinten Nationen wie schon in der vorherigen Revision von 2012 ihre Hochrechnungen nach oben korrigieren.

Die Ursache hierfür ist die nur langsam sinkende Fertilitätsrate auf dem afrikanischen Kontinent. Sie lag 2010-2015 noch immer im Schnitt bei 4,7 Kinder je Frau – so hoch wie nirgendwo sonst. Nach der mittleren Variante der aktuellen Hochrechnungen wird es noch mindestens bis zum Ende des Jahrhunderts dauern, bis die Fertilitätsrate auf das Reproduktionsniveau von 2,1 Kindern je Frau sinkt. Bis dahin wird sich die Bevölkerung der Region vervierfacht, in einigen Ländern sogar verfünffacht haben. Allein in Nigeria werden dann statt heute 180 Millionen über 750 Millionen Menschen leben – mehr als doppelt so viele wie momentan in den USA.

Konflikte und Versorgungsengpässe drohen

"Schon heute haben viele afrikanische Staaten Schwierigkeiten, die Grundversorgung ihrer Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Es ist daher kaum vorstellbar, dass ein solches Wachstum tatsächlich stattfinden wird", gibt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, zu bedenken. "Entweder wird es zu massiven Konflikten und Versorgungsengpässen in der Region kommen, welche das Wachstum letztlich bremsen. Oder aber die Staaten kommen auf einen erfolgreichen Entwicklungsweg, wodurch die Geburtenraten von alleine sinken."

Vorbild hierfür könnten viele asiatische Staaten sein, etwa Thailand: Hier sank die Fertilitätsrate in den letzten vier Jahrzehnten von etwa 6 auf 1,5 Kinder je Frau. Diese schnelle Entwicklung kam zustande, weil sich das Gesundheitssystem und die Bildungsmöglichkeiten stark verbessert haben und weil für die erwachsene Bevölkerung Arbeitsplätze geschaffen wurden. "Doch gerade Bildung und Jobs fehlen in Afrika südlich der Sahara am meisten", sagt Reiner Klingholz. "Ohne Perspektiven werden die Kinderzahlen hoch bleiben. Und es werden sich immer mehr Menschen auf den Weg machen um anderswo ihr Glück zu suchen. Damit wird sich auch der Migrationsdruck auf Europa weiter verschärfen", warnt der Institutsdirektor. (red, 1.8.2015)

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