VW T6 California: Der Lattenrost am Straßenrand

Ansichtssache31. Juli 2015, 14:41
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Wie passen Kalifornien und Norwegen zusammen? Zum Beispiel so: VW bietet vom neuen "Bus ", dem T6, wie erwartet auch eine Wohnmobilversion an. Heißt California, und mit dem haben wir das Land der Fjorde und Polarlichter befahren, zur ausklingenden Mittsommernachtszeit. So schön ist Schlafen unterm Aufstelldach.

foto: volkswagen

Von den 204 PS, die uns der VW California Ocean TDI 4Motion mit Doppelkupplungsgetriebe offeriert, brauchen wir im Moment vermutlich nicht einmal die Hälfte. Dabei führt der Weg in 27 Serpentinen steil den Berg hinauf. Doch wir hetzen nicht. Wir schauen, nein, wir staunen ob der faszinierenden Landschaft. Und erinnern uns dabei gleichzeitig an das eben alles Gesehene, als würden wir uns so davor beschützen, auch nur ein winziges Detail der bisherigen Reise zu vergessen.

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Von Stavanger sind wir mit der Fähre durch den ganzen, mehr als 40 Kilometer langen Lysefjord geschippert. Bis wir am anderen Ende, in Lysebotn, wieder von Bord fuhren, haben wir Seehunde beobachtet, die wir beim Sonnenbad gestört haben dürften – weshalb die sich ins kalte Wasser verzogen. Wir haben ein Trio von Base-Jumpern gesehen, das sich im Formationsflug in den Fjord stürzte. Unspektakulär waren im Vergleich dazu die Paragleiter, die von dem gleichen Felsen, dem Kjerag, der mehr als 1000 Meter über dem Wasser thront, elegant zu Boden segelten.

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Wir lachen über die Geschichte von den Bauern, die ihre Kinder am Hof festbanden. Die Wiesen entlang des Fjordes sind so steil, dass der Nachwuchs beim Spielen ins Wasser zu rollen drohte.

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Die Steigung der Straße hingegen ist keine besondere Herausforderung für den VW California, auch nicht die engen Kurven. Nervenkitzel verspricht nur der Gegenverkehr. Denn die meisten Straßenabschnitte sind einspurig ausgebaut, und nur vereinzelte Beulen machen die Straße so breit, dass zwei Autos aneinander vorbeifahren können. Vor allem wenn einer der beiden so ein Riesentrumm von Wohnwagen ist, wird es eng. Eine dieser mobil gewordenen Blasen aus Polyester, die sich, je später der Abend ist, mit den bunten Kugeln von Zelten am Straßenrand sammeln, dort, wo die Aussicht am schönsten ist.

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Im Vergleich zu diesen riesigen Campern ist der California nicht nur ein Ausbund an Eleganz, Zierlichkeit und Agilität, sondern auch noch mit viel Liebe zum Detail entworfen. So haben zwei Campingsessel in der Heckklappe ihr Zuhause, wo sie weder klappern noch wackeln können. Ein Campingtisch ist in der hinteren Seitenwand versteckt. Von der Taschenlampe mit Magnethalterung bis zur Plastikschüssel, die platzsparend in der Spüle untergebracht ist, reichen die Lösungen.

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Als Coast oder Ocean ist der VW California ein vollwertiger Campingbus mit Kühlschrank, Spüle, Stauraum und sogar einer kleinen Brause, mit der man sich unter der Heckklappe duschen kann. Für den voll ausgestatteten, 204 PS starken Ocan mit Allrad und Doppelkupplungsgetriebe zahlt man allerdings auch fast 80.000 Euro. Günstiger ist der Einstieg beim Beach ab 46.990 Euro.

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Für viele ist der Beach sogar die bessere Lösung. Es sind wohl eher die Hardcore-Camper, die gerne im Wagen kochen. Ob die aber so auf den Glamour stehen, der in der Ausstattung Ocean mit viel Holz und feinen Stoffen offeriert wird?

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Im Beach hingegen geht es ein wenig robuster und luftiger zu. Da kocht man nicht in der Küchenzeile, sondern mit der Gaskartusche vor dem Wagen – oder geht gleich ins Restaurant. Zum Schlafen bietet er mit der größeren umlegbaren Sitzbank sogar noch ein wenig mehr Platz als Coast und Ocean mit der kleinen Küche.

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Am besten schläft es sich aber ohnedies unter dem Aufstelldach. Sogar an einen Lattenrost hat VW gedacht – und dass die Höhe des California bei geschlossenem Dach unter zwei Metern bleibt, damit auch Tiefgaragen kein Tabu für diesen Camper sind.

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Es ist die Vielseitigkeit, die den California schon in den vergangenen Generationen zum Verkaufsschlager machten. 50.000 Fahrzeuge liefen etwa vom Vorgänger vom Band. Er ist knackig zu fahren, jetzt dank serienmäßiger Start-Stopp-Technologie auch noch sparsam, im Urlaub ein Camper – und vor allem als Beach im Alltag ein geräumiger, heller Bus.

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Hell ist es auch in Norwegen fast die ganze Nacht über, weshalb wir, vor dem Bus sitzend, die Zeit übersehen. Etwa während wir uns an die Geschichte von dem deutschen Soldaten erinnern, der nach dem Krieg hierblieb, um Schnaps zu brennen – und seine Frau als Probefuhre für seinen Lastenlift zum Fjord verwendete. (Guido Gluschitsch, 31.07.2015)

Die Geschichte des California können Sie hier nachlesen.

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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