Asiatische Tigermücke überwintert bereits in Süddeutschland

1. August 2015, 17:59
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Aktuelle Funde im Osten Freiburgs deuten auf eine Ansiedlung der invasiven Insektenart aus dem Süden und Osten hin

Freiburg – Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) stammt ursprünglich aus dem südostasiatischen Raum, doch vor allem reger Waren- und Personenausstausch in den vergangenen Jahrzehnten haben sie langsam immer weiter west- und nordwärts wandern lassen. Seit den 1990er Jahren wird die Tigermücker regelmäßig in Europa beobachtet. Aktuelle Funde in Süddeutschland deuten darauf hin, dass die Stechmücke mittlerweile richtig sesshaft geworden ist, sich in unseren Breiten vermehrt und sogar überwintert.

Die Asiatische Tigermücke, die in Südeuropa schon weit verbreitet ist und zusehends nach Norden dringt, ist eigentlich eine wärmeliebende Mücke. Obwohl seit einigen Jahren eine Einschleppung von Mückenexemplaren mit dem Fernverkehr aus Südeuropa nach Deutschland beobachtet wird, gelang es der Mücke aufgrund mangelnder Kälteresistenz der Eier bislang noch nicht, hier zu überwintern und sich dauerhaft anzusiedeln.

Der außerordentlich milde Winter 2014/2015 hat der Tigermücke nun offenbar das Überleben ermöglicht: mehrere Nachweise in den letzten zwei Wochen von Eiern, Larven, Puppen und ausgewachsenen Mücken an derselben Stelle im Osten Freiburgs, an der im letzten Jahr bereits eine Population gefunden wurde, belegen eine erneute Reproduktion und sprechen für eine Überwinterung.

Für die Vermehrung neu eingeschleppter Individuen aus Südeuropa wäre es saisonal außerordentlich früh, und da die Stelle außerhalb der Flugdistanz zu den Einschleppungsrouten aus Südeuropa liegt, ist die Wahrscheinlichkeit der erfolgreich gemeisterten Überwinterung außerordentlich hoch. Genetische Verwandtschaftsanalysen zwischen den Individuen, die im letzten Jahr gesammelt wurden, und den neu aufgetretenen Mücken sollen in Kürze den endgültigen Beweis bringen.

Als Krankheitsüberträger (noch) ungefährlich

Dies ist besonders wichtig angesichts der möglichen Rolle der Asiatischen Tigermücke als Überträger von Krankheitserregern. In Südeuropa war sie in den letzten Jahren für mehrere Ausbrüche und Fälle des Chikungunya- und des Dengue-Fiebers verantwortlich. Selbst bei einer Etablierung der Art ist das Risiko der Übertragung jedoch minimal, denn die Mücken sind nicht per se infiziert. Um einen Krankheitserreger weiterzugeben, müssen die Weibchen zunächst selbst an einer infizierten Person Blut saugen und die Erreger aufnehmen. Solche Infektionsquellen sind selten und die Chancen des Erregers, in der Mücke zu überleben und beim nächsten Blutmahl wieder auf einen Menschen zu treffen, minimal. Die Wahrscheinlichkeiten erhöhen sich allerdings u.a. mit der Populationsdichte der Mücken.

Nun wollen Stechmückenexperten und Behördenvertreter in Deutschland den Stand der Situation bezüglich einer Gesundheitsgefährdung durch exotische Stechmücken und mögliche Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen erörtert werden. Im Frühstadium der Invasion könnten Maßnahmen möglicherweise noch greifen und die Mücke eliminieren oder zumindest unter Kontrolle halten. (red, 1.8.2015)

  • Aktuelle Funde legen nahe, dass die Asiatische Tigermücke endgültig in Zentraleuropa angekommen ist.
    foto: ap photo/national institute of infectious diseases via kyodo news

    Aktuelle Funde legen nahe, dass die Asiatische Tigermücke endgültig in Zentraleuropa angekommen ist.

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