Norfolks Küste: Seehunde, Sandstrände und Salzwiesen

4. August 2015, 14:54
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Die Küste von Norfolk steht im Schatten der wesentlich bekannteren Landschaft von Cornwall. Zu Unrecht, denn einige der schönsten Strände Großbritanniens findet man im Osten Englands und zudem ein paar ausgefallene Freizeitaktivitäten

"Da vorne schwimmt einer!" Aufgeregt blicken die Teilnehmer eines "Seal Trip" an der Küste Norfolks auf das offene Meer hinaus. Wird man einen Seehund zu Gesicht bekommen? Als das Boot in eine Bucht einbiegt, ist diese Frage obsolet: Hunderte der putzigen Tiere liegen auf einer Sandbank oder tauchen davor im Wasser.

foto: apa / lisa göltl
"Seal Trips" sind beliebt an der Küste von Norfolk. Die Wahrscheinlichkeit, dort auf Seehunde zu treffen, ist hoch.

Die Grafschaft Norfolk im Osten Englands hat kaum spektakuläre Klippen und ist vermutlich schon deshalb außerhalb Großbritanniens touristisch weniger bekannt als Cornwall oder Kent. Die flachen Küsten, geprägt von malerischen Sand- und Kiesbänken sowie von Kanälen und Marschlandschaften, stehen oft unter Schutz des National Trust. "Es hat sich hier in den vergangenen 50 Jahren wenig verändert", erzählt ein einheimisches Ehepaar. "Die Orte haben ihren Charme erhalten, die Strände sind unverbaut und naturbelassen."

Holkham Beach gilt als einer der schönsten Strände Großbritanniens.

Holkham Beach ist so ein Strand, schier endlos zieht sich das breite helle Sandband den Atlantik entlang, Dünen bieten ein bisschen Schutz, wenn der Wind weht. Wandert man dort unter blauem Himmel, überrascht es nicht, dass "führende Reisejournalisten" den Strand zum besten von ganz Britannien gekürt haben, wie es auf der Internetseite des Tourismusverbandes heißt. Spielt das Wetter einmal nicht mit, bietet sich eine Besichtigung des nahe gelegenen klassizistischen Herrenhauses Holkham Hall an.

Das Herrenhaus Holkham Hall ist ein klassizistischer Koloss, der sich bei Schlechtwetter als Ausflugsziel anbietet.

In Blakeney, einem sympathischen Ort mit Jachthafen, Innungshaus aus dem 15. und Rathaus aus dem 13. Jahrhundert sowie guter Gastronomie werben Betreiber von Seehunde-Touren um Kunden. "Bishop's Boat" ist einer davon. Abhängig von den Gezeiten fahren die Boote durch das Naturreservat am Blakeney Point, nach ein paar Minuten zücken die Passagiere ihre Fotoapparate und geraten in Verzückung: "Seals" tummeln sich dort in Massen.

"Crabbing" ist wie Sportfischen, die Krabben werden nach dem Fang wieder in die Freiheit entlassen. Trotzdem stehen sie in Norfolk auf vielen Speisekarten.

"Sie bleiben das ganze Jahr über. Sie bekommen auch ihre Jungen hier", erzählt ein Mitarbeiter von "Bishop's Boat". "Wir haben zwei Typen: den Seehund, man erkennt ihn an einer kleinen Delle in der Nase, und die Kegelrobbe mit ihrer langen, hundeähnlichen Schnauze." Mindestens 900 Exemplare sollen in der Region ständig leben. "Sie wissen, dass ihnen von den Menschen keine Gefahr droht, darum lassen sie uns so nahe heran. Sie tauchen auch gerne vor dem Boot, das macht ihnen Spaß."

foto: apa / lisa göltl
Die Seehunde zeigen wenig Scheu vor Menschen, oft begleiten sie die Ausflugsbooten sogar.

Apropos Spaß: Zum lokalen Vergnügen zählt das "Crabbing", das Fangen von Krabben mittels eines an einer Schnur ins Meer gelassenen Netzes. "Man darf den Tieren nichts antun und man muss sie am Ende des Tages auch wieder ins Wasser zurücklassen", klärt Joe auf, der am Pier des etwas größeren Ortes Cromer regelmäßig diesem Hobby nachgeht und seinen Fang in großen Behältern zur Schau stellt. "Kinder machen das gerne. Man geht mit ihnen zum Crabbing, so wie man Spazieren, Angeln oder Fußballspielen geht."

Norfolk hat wenig Klippen, dafür ist jene bei Hunstanton außergewöhnlich: Die einzelnen Sand- und Kalksteinschichten haben sich äußerst farbenprächtig verfärbt.

Will man auf ein Urlaubsbild mit Klippen nicht verzichten, drängt sich das touristische Hunstanton auf, unweit des Landschlosses Sandringham House gelegen, wo die Queen die Weihnachtsfeiertage verbringt. Der Ort bietet neben einem Strand mit Bingo- und Spielhallen sowie jeder Menge Fish-&-Chips-Ständen fotogene 18 Meter hohe Klippen mit verschiedenfärbigen Sand- und Kalksteinschichten. "Im Sommer tut sich hier viel", berichtet Eisverkäufer John. "Aber wenn sich abends die Sonne rot ins Meer senkt, hat man manchmal die Klippen für sich alleine."

Ins "Waschbecken"

Ab Hunstanton erstreckt sich das flache Gezeitenbecken "The Wash". Freunde blühender Salzwiesen und Vogelbeobachter kommen hier auf ihre Kosten, auch Wanderungen über die Strände bieten sich an. Am Ende einer solchen gönnt man sich am besten einen Kaffee und Limonenkuchen im "Mariott's Warehaus" in King's Lynn . In das ehemalige Hansehaus an einem einst wichtigen Handelshafen wurde stilvoll ein Restaurant integriert. Der rund 40.000-Einwohner-Ort selbst hat alte Bausubstanz und die Innenstadt ist Fußgängerzone. (APA, Wolfgang Hauptmann, red, 04.08.2015)

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