Flughäfen: Ab Herbst Sprengstoffdetektoren im Einsatz

30. Juli 2015, 13:16
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Erweiterte Sicherheitskontrollen ab 1. September. Passagiere und Handgepäck werden stichprobenartig kontrolliert

Wien – Ab Herbst müssen gemäß einer EU-Verordnung auf europäischen Flughäfen Passagiere und ihr Handgepäck auf Spuren von Sprengstoff kontrolliert werden. Diese Checks werden mit speziellen Papierstreifen und sogenannten Sprengstoffspuren-Detektoren durchgeführt. Der Flughafen Wien investierte in Geräte und Umbauten fünf Millionen Euro, sagte Franz Spitzer, Leiter des Terminalbetriebs und Sicherheit.

Bei einem Medientermin am Donnerstag wurden die neuen Kontrollen demonstriert. Diese gelten ab 1. September auf allen sechs österreichischen Flughäfen. Insgesamt bedeuten die erweiterten Kontrollen für Passagiere "geringfügig mehr Wartezeiten", sagte Spitzer. Das Sicherheitspersonal am Flughafen Wien wurde seit Jahresanfang um 100 Mitarbeiter aufgestockt.

Zusätzliche Überprüfungen

Bereits seit März werden elektronische Geräte an den Sicherheitskontrollen händisch auf Manipulationsspuren überprüft. Die nun folgenden zusätzlichen Überprüfungen mittels Sprengstoffspuren-Detektionsgeräten (Explosive Trace Detection, ETD) seien das "Resultat kontinuierlicher Risikoanalysen", sagte Oberst Peter Bencza vom Innenministerium.

Die EU-Verordnung schreibt vor, dass Passagiere, Handgepäck sowie Laptops, Tablets und Handys auf Spuren von Sprengstoffen kontrolliert werden müssen. Selektiert wird nach Zufallsprinzip, "ein Computersystem wählt die Passagiere willkürlich aus", sagte Spitzer. Stichprobenartig werden Handflächen, Gürtel, Gepäck und Elektrogeräte händisch mit einem speziellen Papierstreifen abgewischt. Die Streifen werden anschließend untersucht. Der Wischtest dauert rund 20 Sekunden, die Analyse 30 Sekunden, erklärte Spitzer.

Wischen zum zu Testen

Die Proben werden dann mit dem Ionen-Mobilitäts-Spektrometer (IMS) chemisch analysiert, sagte Manfred Wimmer, Leiter der Sicherheitskontrollen. In einer Datenbank sind alle Bestandteile von Sprengstoff hinterlegt. Dabei können auch Fehlalarme durch Substanzen in Alltagsgegenständen, etwa Nitrate in Schuhpasten oder Anzüge, die frisch von der Reinigung kommen, ausgelöst werden. "Glycerin in Handcremen ist etwa ähnlich dem Glycerin in Nitroglycerin", erklärte Wimmer. Allerdings seien die Detektoren "intensiv getestet worden", falsche Alarme werden im "einstelligen unteren Prozentbereich bleiben", sagte Wimmer.

Kommt es zu einem Alarm, gibt es eine weitere Abklärung am Serviceschalter und nicht direkt an der Kontrollstraße. Hier wird dann kein Gesamtwischtest durchgeführt, sondern Gegenstände einzeln überprüft. Dies soll in drei bis fünf Minuten erledigt sein. Bleibt die Situation unklar, gibt es eine Endabklärung mit der Polizei, erläuterte Spitzer. Rund ein bis zwei Mal pro Monat kommt es auf österreichischen Flughäfen zu Verdachtsfällen, bei denen eine nähere Abklärung erforderlich ist.

"Die Sicherheitskontrollen am Flughafen Wien dauern laut Spitzer aktuell durchschnittlich 90 Sekunden – vom Ablegen der Oberbekleidung bis zur Wiederaufnahme des Gepäcks", sagte er. Kommen die Detektoren zum Einsatz, verbleibt der Passagier künftig eine bis eineinhalb Minuten länger im Sicherheitscheck. Insgesamt 58 Kontrollstraßen gibt es am Flughafen. Angeschafft wurden nun insgesamt 78 Sprengstoffdetektoren, einer kostet zwischen 25.000 und 40.000 Euro, ein Teststreifen rund drei Cent, sagte Wimmer. (APA, 30.7.2015)

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