Radeln ohne Alter: Das Recht auf Wind in den Haaren

4. August 2015, 13:30
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Die internationale Bewegung "Radeln ohne Alter" ist nun auch in Österreich gelandet. In Lustenau fahren die ersten Rikschas

Lustenau – Radeln, das ist Lust an der Bewegung, ein Stück Freiheit im Alltag. Das Vergnügen, mit dem Rad zu fahren, sollte durch Alter oder Mobilitätseinschränkungen nicht verloren gehen. Das dachte sich der Däne Ole Kassow, schnappte sich eine Fahrrad-Rikscha des kultigen Transporträderherstellers Christiania und fuhr einen alten Mann, der sich nur noch mit Rollator fortbewegen konnte, in Kopenhagen spazieren.

Passagier und Fahrer waren glücklich, Kassow startete die Initiative "Cycling uden alder". Nach zwei Jahren ist "Cycling Without Age" international verbreitet, 3.000 Freiwillige fahren weltweit Menschen mit Mobilitätseinschränkungen mit der Rikscha durch die Gegend. Aus Spaß an der Begegnung, am Radfahren, Geschichtenhören und -erzählen.

Ehrenamt auf Rädern

Seit kurzem ist "Radeln ohne Alter" auch in Österreich angekommen. Elke Fitz und Michael König haben die skandinavische Idee nach Lustenau in Vorarlberg gebracht. Seit wenigen Wochen sind in Österreichs größter Marktgemeinde zwei dänische Rikschas unterwegs. Gelenkt werden die Radtransporter mit E-Antrieb von eigens eingeschulten "Piloten". Zwölf Ehrenamtliche, Männer und Frauen im Alter zwischen 30 und 65, hat Elke Fitz bereits für die Idee gewinnen können. Sie alle wollen Menschen, die selbst nicht mehr Rad fahren können, das "Recht auf Wind in den Haaren" ermöglichen.

Begegnung und Bewegung

Die beiden Lustenauer Rikschas wurden nach ihren ersten Fahrgästen benannt: Fred und Wilma. "Purer Zufall", lacht Elke Fitz. Fred und Wilma haben ihre ersten Einsätze hinter sich. Fred Hollenstein, 93 Jahre alt und früher begeisterter Leichtathlet, ließ sich mit seiner Pflegerin Jozsefne Kallo ins neue Stadion chauffieren. Auf dem Sattel sein Sohn Wolfgang, Pensionist und begeisterter Biker. Der Sommerregen mochte den Ausflüglern nichts anhaben, schützen doch Faltdach und eine Hülle die Passagiere. Fred Hollenstein kommt strahlend von der Fahrt zurück, will bald wieder "eine Reise machen" und schauen, was es in der Gemeinde Neues gibt.

Radeln macht glücklich

Menschen aus der Isolation holen, ihnen Möglichkeiten zur Begegnung geben, ist das Ziel von "Radeln ohne Alter". Der Verein will mit Altenheimen, dem Krankenpflegeverein und dem Mobilen Hilfsdienst kooperieren. Für 2. September ist eine Auftaktveranstaltung geplant. Der gemeinnützige Verein, der auch österreichischer Dachverband sein wird, finanziert sich über Spenden. Die Rikschas wurden von der Gemeinde angekauft. Elke Fitz ist überzeugt, dass sich die Idee wie in Skandinavien rasch verbreiten wird: "Radeln ist wohl die einfachste Art, Menschen glücklich zu machen." (Jutta Berger, 4.8.2015)

  • Fred Hollenstein und Jozsefne Kallo lassen sich chauffieren. Es lenkt Wolfgang Hollenstein, ein ehrenamtlicher Radler von "Radeln ohne Alter".
    foto: christian grass

    Fred Hollenstein und Jozsefne Kallo lassen sich chauffieren. Es lenkt Wolfgang Hollenstein, ein ehrenamtlicher Radler von "Radeln ohne Alter".

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