Wo der Schuh drückt: Ohne Ausbeutung und Gift an den Füßen

Blog30. Juli 2015, 17:12
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Eine neue Clean-Clothes-Kampagne tritt für faire Schuhindustrie ein und fordert mehr Transparenz ein

Wien – Die österreichische Clean-Clothes-Kampagne startet eine neue Initiative. Die Kritik richtet sich an die fehlende Transparenz über die Produktionsbedingungen von Schuhen, die in Österreich verkauft werden. Mit der Schrittzähler-App "Change your Shoes" werden alle Schritte der Teilnehmer gesammelt und zu einem virtuellen Marsch nach Brüssel addiert.

Sechs Paar Schuhe pro Jahr

Im Jahr 2013 wurden weltweit 22 Milliarden Paar Schuhe produziert. Davon werden rund 40 Prozent in Europa verkauft, gefolgt von China und den USA. Durchschnittlich kauft jeder Österreicher laut der Wirtschaftskammer Österreich sechs Paar Schuhe pro Jahr und gibt dafür 194 Euro aus.

Rund zwei Prozent von dem, was hierzulande ein Paar Schuhe kostet, bekommt die Näherin oder der Näher für die Herstellung. Informationen über die Produktionsbedingungen von Schuhen sind kaum verfügbar. "Es ist für die Konsumenten weder nachvollziehbar, ob die Näher für ihre Arbeit einen existenzsichernden Lohn erhalten haben, noch ob das verarbeitete Leder das giftige Chrom VI enthalten könnte", Michaela Königshofer von Clean Clothes.

Giftstoffe in der Produktion

Eine 2012 veröffentlichte Studie des dänischen Umweltministeriums zeigte auf, dass 44 Prozent der getesteten Männer-, Frauen- und Kinderschuhe Chrom VI enthielten. Die Menschen in den Gerbereien der Billiglohnländer sind krebserregenden Stoffen oft direkt ausgesetzt. Gesundheitsschädliche Chemikalien, die in der Gerbung eingesetzt werden, bleiben jedoch nicht in den Produktionsstätten zurück. Über die Schuhe und das Leder kommen sie nach Europa.

Österreichische Umweltzeichen für Schuhe

Dass faire Produktionsstandards und Transparenz möglich sind, zeigt das neue Österreichische Umweltzeichen für Schuhe. Das Gütesiegel fordert die Bezahlung von Existenzlöhnen und verbietet die Verwendung von chromgegerbtem Leder. Die Kriterien folgen einem ganzheitlichen Ansatz von der Herkunft der Ausgangsmaterialien bis hin zur Endfertigung, informiert Clean Clothes. (Julia Schilly, 30.7.2015)

  • Männer arbeiten in einer Gerberei in Bangladesch.
    foto: südwind/gmbakash

    Männer arbeiten in einer Gerberei in Bangladesch.

  • Meist tragen sie keine Schutzbekleidung, sie sind giftigen Stoffen ausgesetzt.
    foto: südwind/gmbakash

    Meist tragen sie keine Schutzbekleidung, sie sind giftigen Stoffen ausgesetzt.

  • Clean Clothes macht darauf aufmerksam, dass die Giftstoffe teilweise im Leder bleiben und nach Europa transportiert werden.
    foto: südwind/gmbakash

    Clean Clothes macht darauf aufmerksam, dass die Giftstoffe teilweise im Leder bleiben und nach Europa transportiert werden.

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