Kampf dem Milliardengeschäft Menschenhandel

30. Juli 2015, 11:21
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UN-Behörde fordert mehr Aufmerksamkeit in Bevölkerung und weitere Gelder. USA kritisieren Russland und den Iran

Wien – Die UN-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) fordert mehr Aufmerksamkeit in der Bevölkerung für den Kampf gegen Menschenhandel. Das könnte die bisher niedrige Aufklärungsrate verbessern, sagte Exekutivdirektor Juri Fedotow in Wien anlässlich des 2. Internationalen Tages gegen Menschenhandel am heutigen Donnerstag.

Fedotow lobte einerseits die weltweiten rechtlichen Voraussetzungen des Kampfes gegen Menschenhandel: Fast überall in der Welt seien entsprechende Gesetze in Kraft. Die wenigen Verurteilungen – laut dem UNODC-Bericht 2014 waren zwischen 2010 und 2012 in 15 Prozent der Länder keine und in weiteren 26 Prozent weniger als zehn Menschenhändler verurteilt worden – führte er vor allem auf die "Komplexität" des Problems zurück: Meist müssten bei der Untersuchung dieser Fälle aus mehreren Staaten Beweise gesammelt werden. Eine verstärkte internationale Kooperation der Behörden sei daher vonnöten.

Weitere Mittel für Opferfonds gefordert

Weiters forderte Fedotow mehr Mittel für den 2010 errichteten UNO-Fonds für die Opfer von Menschenhandel, der weltweit Nichtregierungsorganisationen fördert, die diesen Menschen helfen. Diese Finanzhilfen könnten nicht nur von Regierungen, sondern auch von Unternehmen und sogar von Einzelpersonen kommen, meinte der Exekutivdirektor.

Fedotow unterstrich auch den engen Zusammenhang zwischen dem Menschenhandel und der Schlepperei von Migranten: Flüchtlinge würden besonders leicht Opfer von Menschenhändlern. Allerdings müsse man zwischen den beiden Verbrechensarten unterscheiden: Während es bei Schlepperei darum gehe, mit möglichst wenig Risiko möglichst lukrativ die Geschleppten irgendwo hinzubringen, sei der Fokus des Menschenhandels individuell viel unterschiedlicher. Männer, Frauen und Kinder würden für verschiedene Zwecke "gehandelt", etwa für Prostitution, Zwangsarbeit, Bettelei oder sogar Organentnahme. Konkrete Angaben über aktuelle Trends in Bezug auf die derzeitige Flüchtlingskrise machte der UNODC-Exekutivdirektor allerdings nicht.

#givehope

Die UNODC fokussiert ihre Kampagne zum Internationalen Tag gegen Menschenhandel heuer auf Soziale Medien, vor allem durch die bereits 2014 gestartete Kampagne #givehope. Die US-Schauspielerin Mira Sorvino und die brasilianische Star-Sängerin Ivete Sangalo unterstützen den Kampf gegen Menschenhandel als UNO-Sonderbotschafterinnen mit entsprechenden Aufrufen. Sorvino hatte 2005 selbst in einem Fernsehzweiteiler mit dem Titel "Human Trafficking – Menschenhandel" die Hauptrolle gespielt.

USA kritisieren Russland und den Iran

Bereits am Montag haben die USA Russland, Thailand, dem Iran und einer Reihe anderer Länder mangelnden Einsatz gegen Menschenhandel vorgeworfen. Das US-Außenministerium bezeichnete Menschenhandel in einem Bericht als "moderne Sklaverei".

Auch Libyen, Syrien, Jemen, Nordkorea, Venezuela, der Südsudan und Simbabwe setzen demnach die internationalen Standards im Kampf gegen Menschenschmuggler ungenügend um.

Kerry: "Beleidigung der menschlichen Würde"

Dagegen konnten sich Malaysia und Kuba in der US-Liste verbessern. Die meisten westlichen Länder greifen nach Auffassung des Außenministeriums in Washington vorbildlich gegen Menschenhandel durch. Die US-Regierung geht von 20 Millionen Opfern weltweit aus. "Menschenhandel ist eine Beleidigung der menschlichen Würde und ein Angriff auf die Freiheit", schrieb Außenminister John Kerry in dem Vorwort zu dem Bericht.

Der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge verdienen Schmugglerbanden mit Zwangsarbeit und sexueller Ausbeutung jährlich 150 Milliarden Dollar (136 Milliarden Euro). Davon würden alleine 99 Milliarden Dollar (90,50 Mrd. Euro) auf Zwangsprostitution entfallen. (APA, 30.7.2015)

  • Malaysia hat vor allem im Grenzgebiet zu Thailand den Kampf gegen Schlepper intensiviert und und wird unter anderem dafür von den USA gelobt.
    foto: apa/epa/fazry ismail

    Malaysia hat vor allem im Grenzgebiet zu Thailand den Kampf gegen Schlepper intensiviert und und wird unter anderem dafür von den USA gelobt.

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