Lungenkrebs: Bestrahlung könnte Alternative zu Operation werden

30. Juli 2015, 10:49
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Laut deutschen Experten eventuell im frühen Stadium – weitere Studien notwendig

Die die sogenannte stereotaktische ablative Radiotherapie hat in ersten klinischen Studien bei Lungenkrebs im Frühstadium bessere Ergebnisse erzielt als eine Operation. Dabei handelt es sich um eine relativ neue Technik, die eine millimetergenaue Bestrahlung von Tumoren ermöglicht. Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) sieht das als mögliche eine schonende Alternative zur Operation.

Allerdings werden von den deutschen Experten weitere Studien zur Bestimmung des Stellenwerts der Methode gefordert, hieß es in einer Aussendung der DEGRO. Das Lungenkarzinom ist die mit Abstand häufigste Krebstodesursache bei Männern (mit einem Anteil von 25 Prozent) und die dritthäufigste bei Frauen (14 Prozent). Das Problem liegt darin, dass die meisten Lungenkarzinom-Erkrankungen zu spät entdeckt werden.

Hohe Heilungschance

Lungenkrebs im Frühstadium kann jedoch häufig geheilt werden. Die Standardtherapie ist derzeit eine sogenannte Lobektomie: Die Chirurgen entfernen dabei den gesamten Lungenlappen, in dem sich der Tumor befindet, sowie die benachbarten Lymphknoten.

"Die Heilungschancen wurden als höher eingestuft als bei einer Radiotherapie, bei der nicht geprüft werden kann, ob alle Krebszellen durch die Strahlung abgetötet wurden", sagte Michael Flentje, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Würzburg. Eine Bestrahlung erhalten derzeit vorwiegend Patienten, für die eine Operation zu riskant wäre.

Diese Einschätzung wird aber durch die stereotaktische ablative Radiotherapie (SABR) zunehmend infrage gestellt. "Mit der SABR werden die Strahlen millimetergenau auf den Tumor fokussiert. Es sind deshalb wesentlich höhere Strahlendosierungen möglich", erläuterte Flentje: "Die Erfahrungen bei inoperablen Patienten haben gezeigt, dass die Tumorkontrolle und damit die Chance auf eine Heilung bei über 90 Prozent liegen."

Rückblickende Vergleiche hatten diese Einschätzung auch für operable Patienten in den vergangenen Jahren zunehmend gestützt. Drei Studien haben aktuell Operation und stereotaktische Bestrahlung direkt und mit zufälliger (randomisierter) Zuteilung bei Patienten verglichen, die noch operiert werden konnten.

"Alle Studien mussten vorzeitig abgebrochen werden, weil zu wenige Patienten sich auf einen solchen Vergleich einlassen wollten", berichtete der Strahlentherapeut. "Die Angst, eventuell durch eine Radiotherapie die Chance einer sicheren Heilung aufzugeben oder die Furcht vor einer eingreifenden Operation, waren im Einzelfall wohl zu groß."

Unbegründete Bedenken

Forscher aus den Niederlanden haben nun die Daten von 58 Patienten aus zwei der drei Studien näher untersucht. Die aktuell in der Fachzeitschrift "Lancet Oncology" veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass die Bedenken bezüglich der Strahlentherapie unbegründet sind.

Nach der Operation starben in den ersten drei Jahren sechs von 27 Patienten, davon zwei am ursprünglichen Lungenkrebs und einer an einem neu entstandenen Lungenkrebs. Unter den 31 Patienten, die eine stereotaktische Bestrahlung erhalten hatten, gab es nur einen Todesfall. In diesem Fall war der Tumor trotz Radiotherapie weiter gewachsen.

"Wir wissen noch nicht endgültig, ob die Radiotherapie mit SABR der Operation gleichwertig oder überlegen ist. Das müssen weitere Studien klären", kommentierte DEGRO-Pressesprecher Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. "Wir sind aber der Ansicht, dass die SABR zumindest gleichwertig ist." Ganz sicher sei sie für viele Patienten die schonendere Therapie.

Eine Lungenoperation kann auch für körperlich fitte Patienten eine große Strapaze sein. Der Verlust von einem der insgesamt fünf Lungenlappen beschränkt auf Dauer die Sauerstoffzufuhr, was langfristig die Lebensqualität der Patienten herabsetzen kann. (APA, 30.7.2015)

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