Angst vor Terror: Türkischer Tourismus bangt um Gäste

30. Juli 2015, 08:02
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Die Auslastung der Hotels ist ohnehin schon schwach, die Preise mussten zuletzt stark gesenkt werden

Istanbul – Der Bombenterror ist nach jahrelanger Abwesenheit in das Urlaubsland Türkei zurückgekehrt. Wie schon Tunesien und Ägypten sieht sich auch die Türkei einer wachsenden Gefahr von Terroranschlägen ausgesetzt. Die Nervosität im Tourismussektor steigt. Derzeit seien noch keine Stornierungen eingegangen, erklärte der Obmann des türkischen Hotelierverbandes Türofed, Osman Ayik, gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Dogan.

Das könnte sich aber mit einer Eskalation der Gewalt ändern. Mit den Luftschlägen gegen Stellungen der verbotenen türkischen Arbeiterpartei PKK und gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) habe "ein unvorhersehbarer Prozess begonnen", warnte er.

Nervosität in Branche

Der Chef der Fremdenführervereinigung in Antalya, Hasan Uysal, ließ durchblicken, dass sich ausländische Reiseveranstalter bereits die Frage stellen würden, ob die Sicherheitslage gut genug sei, um Touristen in die Türkei zu schicken, zitiert ihn die Tageszeitung "Milliyet".

Die Nervosität der türkischen Tourismusbranche ist berechtigt. Die Regierung in Ankara hat nach dem blutigen Attentat in der türkischen Stadt Suruç nahe der syrischen Grenze am 23. Juli und der Bilanz von 32 Toten einen Zweifrontenkrieg eröffnet. Sie geht gleichzeitig gegen die Jihadisten des IS, denen der Anschlag zugeschrieben wird, und gegen die PKK vor. Der Tourismus des Landes könnte dabei völlig unter die Räder geraten.

Weniger Russland-Urlauber

Die hochfliegenden Pläne des türkischen Tourismus für das laufende Jahr müssen nach dem Anschlag in der türkischen Grenzstadt wahrscheinlich zu den Akten gelegt werden. Noch im Mai hatte der Chef des türkischen Reisebüroverbandes Türsab, Başaran Ulusoy, mit 36 Milliarden Dollar (33 Milliarden Euro) an Einnahmen und 42 Millionen Besuchern spekuliert, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Dies war bereits vor der Zuspitzung der politischen Lage ein viel zu hoch gestecktes Ziel.

In den vergangenen Monaten hat die Wirtschaftskrise in Russland den Sektor bereits empfindlich getroffen. Der zweistellige Rückgang bei russischen Urlaubern hat die Tourismuszahlen im ersten Halbjahr insgesamt nach unten gedrückt. Die Region Antalya hat im ersten Halbjahr ein Minus von neun Prozent und einen Rückgang auf 4,2 Millionen Besucher verzeichnet. Mit rund 35 Prozent Anteil an allen Urlaubern ist die türkische Riviera die wichtigste Einnahmequelle für den Tourismus, gefolgt von der Millionenmetropole Istanbul mit rund 30 Prozent sowie der Provinz Mugla an der Westküste des Landes.

Nach aktuellen Angaben des türkischen Tourismusministeriums wurden von Jänner bis Juni knapp 15 Millionen Ausländer-Ankünfte verzeichnet, 2,25 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Nur der Zuwachs bei den Gästen aus Deutschland hat einen noch stärkeren Rückgang verhindert. 12,4 Prozent mehr deutsche Urlauber im Zeitraum Jänner bis Mai haben die Bilanz aufgefettet und den Verlust abgefedert.

Auslastung von Hotels sinkt

Einer aktuellen Studie des Marktforschers STR Global zufolge sinkt die Auslastung türkischer Hotels im europäischen Vergleich jedoch drastisch. Die Auslastung fiel im Juni 2015 im Jahresvergleich um 7,6 Prozentpunkte auf 68,6 Prozent. Die sinkende Auslastung geht einher mit einem Preisverfall. In der Region Antalya etwa sank die Auslastung im Juni sogar um 9,7 Prozentpunkte auf etwas mehr als 68 Prozent. Die Hotelpreise in der Region gaben im Durchschnitt um knapp acht Prozent nach.

Mit der Aufkündigung des Friedensprozesses mit den Kurden hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan den Grundstein für neue Gewalt gelegt, die bereits die Großstädte Istanbul, Izmir und Ankara erfasst hat und auf die Touristengebiete übergreifen könnte. Bisher gelten in über 30 Provinzen des Landes verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Dazu zählen nicht nur die Grenzgebiete zum Irak und Syrien, sondern auch die Metropolen des Landes. Gleichzeitig kursieren seit Monaten Warnungen vor Attentaten durch jihadistische Zellen des IS. Ein ähnlich blutiger Anschlag wie in Tunesien Ende Juni dieses Jahres würde den türkischen Tourismus um Jahre zurückwerfen. (APA, 30.7.2015)

  • Ein ähnlich blutiger Anschlag wie in Tunesien Ende Juni dieses Jahres würde den türkischen Tourismus um Jahre zurückwerfen.
    foto: ap/bounhar

    Ein ähnlich blutiger Anschlag wie in Tunesien Ende Juni dieses Jahres würde den türkischen Tourismus um Jahre zurückwerfen.

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