Poroschenko ehrt umstrittenen Metropoliten

29. Juli 2015, 20:16
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"Historische Gerechtigkeit": Fünf Meter hohes Bronzedenkmal in Lwiw enthüllt

Kiew – Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat am Mittwoch ein Denkmal für den umstrittenen Metropoliten der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche und Erzbischof von Lemberg, Andrej Scheptyzkyj, eingeweiht.

Die fünf Meter hohe Bronzestatue im Zentrum von Lemberg (Lwiw), der Hochburg der Ultranationalisten in der Westukraine, ehrt einen Mann, der im Zweiten Weltkrieg die Hitler-Wehrmacht als Befreierin von der sowjetischen Herrschaft unterstützte und sich für eine Division der Waffen-SS aus ukrainischen Freiwilligen aussprach. Allerdings weist die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem darauf hin, dass Scheptyzkyj Dutzenden Juden Zuflucht in griechisch-katholischen Klöstern und in seiner Residenz bot.

"Historische Gerechtigkeit"

Poroschenko sagte während der im Fernsehen übertragenen Einweihungszeremonie vor tausenden Menschen, mit dem Monument widerfahre Scheptyzkyj "endlich historische Gerechtigkeit". Das "bestmögliche Denkmal" für den Metropoliten wäre die "Unabhängigkeit der Ukraine", fügte er bei strömendem Regen hinzu.

Der 1865 geborene glühende Nationalist war von 1901 bis zu seinem Tod 1944 Metropolit. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als Lemberg zu Österreich-Ungarn gehörte, wurde er von russischen Soldaten festgenommen und bis 1917 inhaftiert. Nach seiner Freilassung setzte er seinen Kampf für die ukrainische Unabhängigkeit fort.

Am 17. Juli dieses Jahres wurde ihm vom Vatikan der heroische Tugendgrad als bedeutende Vorstufe zur Seligsprechung zuerkannt. Die Griechisch-Katholische Kirche in der Ukraine folgt dem byzantinischen Ritus, ist aber an den Vatikan angebunden. Sie ist vor allem im Westen des Landes einflussreich und zählt heute etwa fünf Millionen Mitglieder. Die Ukraine hat 46 Millionen Einwohner.

Das russisch-orthodoxe Patriarchat wirft der Kirche Missionierung für den Katholizismus vor. Die größere russisch-orthodoxe Kirche ist vor allem im östlichen Industriegebiet der Ukraine verankert. Gegen die dortigen bewaffneten Gegner der Kiewer Regierung führen Poroschenkos Armee und mit ihr verbündete ultrarechte Einheiten Krieg. Bei der 15-monatigen "Antiterroroperation" wurden bislang 6800 Menschen getötet. (APA, 29.7.2015)

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