Euro-Exit: Deutscher Realitätsverlust

Kommentar29. Juli 2015, 17:47
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Eine Vertragsänderung wäre fatal

Das wichtigste wirtschaftliche Beratungsgremium der deutschen Bundesregierung, der Sachverständigenrat, hat sich zur Griechenlandkrise zu Wort gemeldet. Das "Sondergutachten" der Ökonomen bietet wichtiges Anschauungsmaterial dafür, wie sehr die Mehrzahl deutscher Volkswirte jeden Bezug zur aktuellen wirtschaftspolitischen Realität in der Eurozone verloren hat.

In ihrem Papier fordern die Sachverständigen, dass in den EU-Verträgen die Möglichkeit eines Euroaustrittes verankert werden muss. Das Gremium hat nicht den freiwilligen Exit eines Staates vor Augen, sondern den Rauswurf. Die "fehlende Kooperationsbereitschaft" eines Landes mache die Eurozone erpressbar, weshalb "als Ultima Ratio" der Austritt möglich sein müsse, schreiben die Berater in Anspielung auf die Streitereien mit Griechenland.

Würde der Vorschlag umgesetzt, wäre dies der Anfang vom Ende der Eurozone. Das politische Klima wäre vergiftet, weil Staaten beginnen würden, einander zu bedrohen: "Maßnahme Y passt dir nicht? Wir können dich auch rausschmeißen." Auch ökonomisch ist die Idee fatal. Nach einer Vertragsänderung würden Investoren sofort spekulieren, wen der Euro-Exit trifft: Griechenland? Portugal? Die Zinsaufschläge für diese Länder würden explodieren. Sollten in diesem Sachverständigenrat wirklich die besten deutschen Ökonomen sitzen, muss man sich eher um die Bundesrepublik denn um Griechenland sorgen. (András Szigetvari, 29.7.2015)

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