Mullah Omars Tod: Brisanter Zeitpunkt

Kommentar29. Juli 2015, 17:42
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In diesen Zeiten ist das Auseinanderbrechen der Taliban-Bewegung keine gute Nachricht

Der Tod Mullah Omars, des 2001 von den USA gestürzten Taliban-Führers, wird nicht zum ersten Mal gemeldet – aber diesmal ist der Zeitpunkt besonders brisant. Am 7. Juli gab es nach etlichen Anläufen erstmals signifikante Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban, und zwar – auch das ist überaus wichtig – bei Islamabad in Pakistan, mit US- und chinesischer Beteiligung. Zum Ramadan-Ende kam eine angebliche Botschaft Mullah Omars, in der er diese Gespräche unterstützte. Ihre Fortsetzung steht unmittelbar bevor. Und da heißt es nun, dass Mullah Omar vielleicht schon länger tot ist.

Am Treffen in Murree bei Islamabad nahmen unterschiedliche Taliban-Fraktionen teil, auch solche, die die "alten" Taliban de facto an Bedeutung überholt haben – wie das Haqqani-Netzwerk -, obwohl Mullah Omar weiter als Führer aller galt. Aber es gibt auch wütende Opposition innerhalb der Taliban gegen jegliche Art von Verhandlungen. Mullah Omars echte oder falsche Ramadan-Botschaft wurde im Zusammenhang eines Taliban-Richtungsstreits gesehen – als Versuch, die Spaltung zu übertünchen.

Wenn nun bestätigt werden sollte, dass Mullah Omar längst tot ist, ist der Schwindel entlarvt – und der Fortgang der Gespräche gefährdet. Und wäre das völlige Auseinanderbrechen der Taliban-Bewegung noch vor kurzem eine gute Nachricht gewesen: In Zeiten, in denen der Erbe "Islamischer Staat" heißt, ist das anders. (Gudrun Harrer, 29.7.2015)

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