Der Kärntner Kopf gegen die gelbe Wand

29. Juli 2015, 16:55
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Wolfsberg darf in einem ausverkauften Wörtherseestadion gegen zwölf Dortmunder um das Europa-League-Playoff spielen

Klagenfurt/Wien – Eigentlich ist die europäische Saison, in die der Wolfsberger AC überraschend gelangt ist, um sich darin bis in die dritte Qualifikationsrunde zur Europa League zu spielen, schon gelaufen. Und das höchst erfolgreich. Denn was will man im Lavanttal mehr, als den Kultverein aus Dortmund, den BVB, empfangen zu dürfen und bei diesem Hinspiel (Donnerstag, 21.05, live in ORF 1 und im derStandard.at-Ticker) gleich das Klagenfurter Wörthersee-Stadion zu füllen?

Die Borussen nehmen auch gleich ihr Markenzeichen mit. 30.000 Zuschauer finden im EM-Stadion Platz, 6.000 davon werden aus Dortmund anreisen und den Kärntnern schon einmal einen Vorgeschmack geben, auf was sie sich im Retourspiel gefasst machen dürfen: die gelbe Wand, jene steil aufragende Südtribüne, auf der rund 25.000 Gelbgewandete für den unvergleichlichen Roar sorgen, der nicht nur dem jeweiligen Gegner die Gänsehaut über die Schulterblätter treibt. Der langjährige Erfolgscoach Jürgen Klopp – anfällig für solche Sachen – fühlte sich davon jedes Mal wie neu geboren. Thomas Tuchel, seit einem Monat Klopps Nachfolger beim BVB, muss das erst noch werden. Die deutsche Liga pausiert ja noch, Dortmund bestreitet in Klagenfurt das erste Pflichtspiel der Saison, im Gepäck allerdings ein 2:0 über Juventus. Freilich hat der WAC fast Nämliches vorzuweisen, ein 3:1 über Schalke.

Tüftler Tuchel

Thomas Tuchel, ein guardiolesker Tüftler mit Ballbesitzspleen, will sich den Gegner nicht starkreden. Aber: "Wir wollen um jeden Preis in die Gruppenphase. Da ist schon Druck auf dem Kessel." Auf dem Hexenkessel. Mit im Schnitt 80.000 Zuschauern ist die Dortmunder Arena das bestbesuchte Stadion Europas, noch vor dem Camp Nou zu Barcelona. Dietmar Kühbauer, der burgenländische Trainermigrant im Lavanttal, der mit den Seinen das 0:2 gegen die Austria zu verdauen hatte, ist diesbezüglich weit entspannter. "Wir sind krasser Außenseiter, haben nichts zu verlieren. Aber natürlich wollen wir uns gut präsentieren." Also: Augen auf, Platz zu! "Dortmund genügen schon wenig Räume."

Die verletzten Manuel Weber, Daniel Drescher und Philip Hellquist muss Kühbauer vorgeben. Das macht die Aufgabe keineswegs leichter. Freilich ist so etwas auch eine Art Lohn. "Ein positiver Stress. Ein WAC bekommt nicht oft die Chance, gegen einen solchen Gegner vor so einer Kulisse zu spielen."

Gegen einen Gegner, der – gewöhnt, auf die anderen als die Tabellenkellerkinder hinabzuschauen – ein Seuchenjahr wieder gutzumachen hat, in dem man mit Ach und Krach in die Europa-League-Quali rutschte. Weltmeister Mats Hummels verspricht darum feierlich: "Wir werden die Partie angehen, als wäre es mindestens ein Champions-League-Viertelfinale." Das verspricht er sich und den Wolfsbergern. Und natürlich der gelben Wand.

Kühbauer galt stets als Sturschädel. Als Trainer hat er sich diesbezüglich erweichen lassen (es sei denn, Martin Hinteregger läuft ihm über den Weg wie eine Laus über die Leber). Gegen Dortmund, sagt er also, gelte nun der Plan: "Hinten dicht, vorn nicht mutlos." Oder anders: nicht mit dem Kopf durch die gelbe Wand. Sondern mit Köpfchen. (Wolfgang Weisgram, 29.7.2015)

  • Dortmunds zwölfter Mann: die gelbe Wand. 25.000 sorgen für den Roar der Borussen, 6.000 davon reisen auch an den Wörthersee.
    foto: epa/federico gambarini

    Dortmunds zwölfter Mann: die gelbe Wand. 25.000 sorgen für den Roar der Borussen, 6.000 davon reisen auch an den Wörthersee.

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