Ein grüner Nachwuchskader für viele Funktionen

30. Juli 2015, 12:29
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Simon Hofbauer (27) agiert noch in der zweiten Reihe. Er gilt als die Zukunftshoffnung der Salzburger Grünen

Salzburg – Es gab Zeiten, da war die Hochschülerschaft fest in der Hand der Aktionsgemeinschaft beziehungsweise ihrer Vorgängerorganisation, der Österreichischen Studentenunion. Die Hochschülerschaftspolitik war ein Feld, auf dem viele spätere ÖVP-Funktionäre ihre ersten Erfahrungen gesammelt hatten.

Inzwischen sind die Hochschülerschaften vielfach eine Hochburg der Grün-Alternativen Studenten. Somit rekrutieren auch die Grünen hier ihren Funktionärsnachwuchs. Nationalratsabgeordnete Sigrid Maurer war bis 2011 Bundes-ÖH-Vorsitzende. Ihr Salzburger Pendant heißt Simon Hofbauer. Er wurde 2013 im Alter von 25 Jahren Landtagsabgeordneter und gleich stellvertretender Klubchef. Die zwei Jahre davor war Hofbauer Vorsitzender der ÖH an der Uni Salzburg.

Aussichtsloser Listenplatz

Seinen nahtlosen politischen Aufstieg verdankt der aus einer "christlich geprägten" (Hofbauer) Lehrerfamilie Stammende dem Spekulationsskandal. Bei den vorgezogenen Landtagsneuwahlen konnten die bis dahin an der politischen Wahrnehmungsgrenze dahingrundelnden Salzburger Grünen ihren Mandatsstand von zwei auf sieben erhöhen. Der Student der Politikwissenschaften war auf dem vor dem Skandal eigentlich aussichtslosen sechsten Listenplatz gereiht.

Den neuen Job mit einem Bruttogehalt von rund 5000 Euro im Monat hat Hofbauer rasch erlernt. Wer heute mit ihm über die Landespolitik spricht, vergisst rasch sein jugendliches Alter. Die Worte kommen ruhig und überlegt, man hört förmlich die Rhetorikschulungen. Diese hätten schon an der Uni begonnen, erzählt der Jungpolitiker. Dort sei er stellvertretender Leiter des Debattierklubs gewesen.

"Andere Tonalität in der Asylfrage"

Kritik an der schwarz-grün-gelben Landeskoalition oder gar an der eigenen Partei ist von ihm nicht zu hören: "Das würde zwar meiner persönlichen Profilierung helfen, bringt aber dem Gesamtprojekt nichts." Fast programmatisch liest sich da der Titel des ersten Eintrags auf dem von ihm 2014 gestarteten Blog: "Warum ich für die Halbierung der Kinderbetreuungs-Elternzuschüsse gestimmt habe und trotzdem gut schlafen kann."

Statt jugendlichen Sturm und Drang hört man vom Vater einer einjährigen Tochter Worte wie Ausgleich und Kompromiss. "Politische Entscheidungen sind meist nicht nur gut und schlecht", es gehe oft um Schattierungen, sagt er. So hätten die Grünen in der Landesregierung ein weit schärferes Bettelverbot verhindert, auch von Kürzungen im Sozialbereich sei man in Salzburg weit entfernt. Und in der Asylfrage sei durch die Grünen "eine andere Tonalität" in die Debatte gekommen.

"Unstetes Gewerbe"

Wohlüberlegt formuliert er auch seine Karrierepläne: "Politik ist ein unstetes Gewerbe", deshalb wolle er sein Studium rasch abschließen. Dass er mit seiner aktuellen Funktion bereits am politischen Karriereplafond angelangt ist, glaubt er aber genauso wenig wie viele seiner Parteifreunde. Allzu dick ist die Personaldecke der Grünen trotz Regierungsbeteiligung nicht.

Hofbauer gilt als Hoffnungskader und wird nach den Landtagswahlen 2018 sowohl für ein Regierungsamt als auch als Nachfolger von Landtagsklubobmann Cyriak Schwaighofer gehandelt. Aber auch die Kommunalpolitik in der Landeshauptstadt würde ihn reizen, sagt Hofbauer. Selbstbewusster Nachsatz: "Derzeit genieße ich es, noch in der zweiten Reihe zu stehen." (Thomas Neuhold, 30.7.2015)

  • Simon Hofbauer, hier auf einem Parteikongress der Grünen, übt Kritik höchstens parteiintern.
    foto: die grünen

    Simon Hofbauer, hier auf einem Parteikongress der Grünen, übt Kritik höchstens parteiintern.

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