Barcelonas Bürgermeisterin lässt des Königs Büste delogieren

30. Juli 2015, 08:00
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Und auch in Saragossa benennt man eine Halle lieber nach einem Trainer als nach dem König

Es war ihr erster großer Eklat: Ada Colau, Neobürgermeisterin von der linken Bürgerliste "Barcelona en Común" (Gemeinsam für Barcelona), ließ die Büste von Exkönig Juan Carlos I. aus dem Plenarsaal des Rathauses der katalanischen Hauptstadt entfernen.

Colau rechtfertigte dies "mit ihrer tiefen republikanischen Überzeugung". Zudem plant sie, ein Denkmal der von Exdiktator Francisco Franco siegreich bekämpften Zweiten Republik (1931–1939) wieder auf dem Juan-Carlos-Platz aufzustellen – sehr zum Unmut der Politiker des rechtskonservativen Partido Popular (PP), die tags darauf im Rathaus ein Bild des amtierenden Königs Felipe VI. hochhielten.

Präsenz laut Gesetz

"Respekt für die Krone und die Institutionen", forderte Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría (PP) vehement von Colau ein. Sowie, dass eine Büste oder ein Porträt von Felipe VI., wie es das Gesetz vorsieht, im Plenarsaal ausgestellt werde. "Solche Aktionen erzeugen viel Lärm, schaffen aber keine Arbeitsplätze."

Doch breitet sich laut El País der "Virus der Colau-Geste rasant aus". Immer mehr Städte, die von der linken Podemos-Bewegung nahestehenden Bürgerlisten regiert werden, folgen dem Beispiel: Saragossas Bürgermeister Pedro Santisteve lässt die Prinz-Felipe-Halle nun nach dem im Vorjahr verstorbenen Basketballtrainer José Luis Abós umbenennen.

Online-Kampagne

Santisteve entgegnete auf Kritik, dass "in einer Online-Unterschriftenkampagne binnen zehn Tagen mehr als 15.000 Einwohner dies einforderten", und betont im STANDARD-Gespräch: "Es wird aktuell das Regime der Transition – des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie – hinterfragt, das in einer Zwei-Parteien-Hegemonie unter dem König mündete."

Auch Montcada i Reixac bei Barcelona ließ das Porträt Felipes abnehmen – "wegen demokratischer Hygiene", wie Bürgermeisterin Laura Campos betonte. Im westandalusischen Cádiz tauschte Bürgermeister José María González Santos just nach Amtsantritt das Porträt von Juan Carlos aus.

Altbekannter Aktionismus

Seinen Platz nimmt nun Fermín Salvochea, anarchistischer Bürgermeister der Stadt während der Ersten Republik (1873–1874), ein. Auch Gemeinden im nordwestspanischen Galicien folgten; etwa Moaña bei Pontevedra, wo nun ein Foto von Daniel Rodríguez Castelao, dem "Vater des galicischen Nationalismus", anstatt des Königs die Wände ziert.

Ganz so neu ist dieser scheinbar aktuelle Trend jedoch nicht: Auch in der Vergangenheit spielten sich vergleichbare Szenen ab, jedoch primär seitens nationalistischer Kräfte – wie etwa der linkssezessionistischen Bildu im Baskenland, nachdem sie in Donostia-San Sebastián nach den Kommunalwahlen 2011 das Bürgermeisteramt erobert hatte.

König als Puzzlestück des "Alten Systems"

Unlängst erst titelte die rechte, monarchistische Tageszeitung ABC mit "Plänen linker Nationalisten aus Katalonien und dem Baskenland, die Monarchie zu stürzen" – gemeinsam mit der Podemos-Partei. Geheimdienst CNI und Innenministerium seien alarmiert. "Dabei ist der König aktuell das einzige Puzzlestück des 'Alten Systems' des Postfranquismus, das noch Prestige genießt", kommentiert der Wahlverhaltensanalyst und einstige Gallup-Direktor in Madrid, Jaime Miquel, im Gespräch mit dem STANDARD.

Und erfolgreich hat Felipe VI. das angeschlagene Image des Königshauses eben erst zu kitten versucht, wie Umfragen zu seinen Beliebtheitswerten untermauern. Zu Spaniens Büsten- und Bilderstürzen äußerte er sich (noch) nicht. (Jan Marot aus Granada, 30.7.2015)

  • Zu den ersten Amtshandlungen der neuen Bürgermeisterin von Barcelona gehörte es, die Büste von Juan Carlos I. (1975–2014) aus dem Rathaus entfernen zu lassen. Die Monarchen sind "not amused".
    foto: epa / barcelona city hall

    Zu den ersten Amtshandlungen der neuen Bürgermeisterin von Barcelona gehörte es, die Büste von Juan Carlos I. (1975–2014) aus dem Rathaus entfernen zu lassen. Die Monarchen sind "not amused".

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