Betrugsprozess gegen selbsternannten Doppelmagister

29. Juli 2015, 14:08
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Jungunternehmer sollen einen Investor getäuscht und 15.000 Euro herausgelockt haben. Sie bestreiten das vehement

Wien – Markus W. hat ein, gelinde gesagt, getrübtes Vorleben. Neun Vorstrafen – meist wegen Betruges – hat er seit 2004 gesammelt, mehrere Monate saß er im Gefängnis. Aber dass er heute gemeinsam mit seinem Lebensgefährten vor Richterin Christina Salzborn wieder mit einer Betrugsanklage sitzt, sei eine Intrige, beteuern sie.

Allerdings entwickelt sich schon die Überprüfung der Personalien ungünstig für den Erstangeklagten. Bei der Polizei hat er angegeben, Doppel-Magister zu sein, wie es damals auch in seinem Führerschein stand. Nur: Eine Universität hat er nie von innen gesehen, muss er eingestehen.

Erfundene Magistertitel

"Warum erfinden Sie Magistertitel?", will Salzborn wissen. "Das war voll blöd", weicht der 36-Jährige aus. "Aber der bringt eh nichts." – "Das ist jetzt unglaubwürdig", kontert die Richterin. – "Wir sind halt ein Titelland." W.s Verteidiger versucht ihm beizustehen. "Das ist ein Teufelskreis. Er weist sich mit dem Führerschein aus, da wird das automatisch immer übernommen." Mittlerweile habe sein Mandant die Fahrerlaubnis aber umschreiben lassen.

Die Anklage scheint undurchsichtig. Im April 2014 hatte W. ein Unternehmen gegründet, das Personal Training für Sportler anbot. Das Geschäft florierte, man wuchs. Zu rasch. "Es waren auch unternehmerische Fehlentscheidungen dabei", sagt der Erstangeklagte. Im Oktober 2014 war der Überziehungsrahmen ausgeschöpft, die Insolvenz drohte.

Darlehen oder Beteiligung

Michael H., der W. schon zuvor via Facebook kontaktiert hatte, bot sich als Helfer an und gab 15.000 Euro her. Als Darlehen, sagen die beiden Angeklagten. Um sich mit 26 Prozent an der Firma zu beteiligen, sagt das angebliche Opfer. Das nicht gewusst haben will, dass die Firma derart marode ist.

Dem widersprechen die Angeklagten, ihr Verteidiger legt ein Konvolut vor. Das habe H. gekannt, die finanzielle Situation gehe daraus klar hervor. Außerdem, sagt W., "hat er gewusst, dass ich ein wirtschaftliches Lulu bin". Für das Geld sei sein unbescholtener Lebensgefährte zuständig. Dem W. übrigens erzählt zu haben scheint, er habe ein Wertpapierdepot in der Schweiz.

Salzborn ist mäßig erfreut, die Dokumente erst jetzt zu bekommen, und muss auch für weitere Zeugen vertagen. (Michael Möseneder, 29.7.2015)

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