Flexible Arbeitsmodelle: Geschätzt aber kaum genutzt

30. Juli 2015, 08:43
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Neun von zehn Unternehmen bieten bereits mobiles und flexibles Arbeiten an. Damit es auch mehr genutzt wird, müssen Führungskräfte Vorbilder sein

Flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten sind auch in Österreichs Firmen zu beliebten Modellen avanciert. Wie eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte unter 250 österreichischen Führungskräften zeigt, fehlt es aktuell aber noch an klaren Regeln zur Umsetzung. Deutlich wird: Spielräume bei der Telearbeit werden nur dann genutzt, wenn die Chefetage dies auch vorlebt.

Auszeiten möglich

Mit 63 Prozent ist Gleitzeit mit Kernzeit das gängigste Arbeitszeitmodell, an zweiter Stelle (27 Prozent) rangiert Gleitzeit ohne Kernzeit, gefolgt von Vertrauensarbeitszeit mit 23 Prozent. In neun von zehn Firmen sind Auszeiten wie Sabbaticals grundsätzlich möglich (89 Prozent).

Werden die Spielräume für flexibles Arbeiten nicht genutzt, wird dies dem fehlenden Vorbild durch die Führungskräfte zugeschrieben (59 Prozent der Befragten gaben das an).

Bereits in 88 Prozent der Unternehmen ist mobiles Arbeiten möglich, 44 Prozent haben dazu einheitliche Regelungen, weitere 44 Prozent lassen den Führungskräften freie Hand in der Umsetzung.

Chef muss Vorbild spielen

Die Angebote seitens der Unternehmen, was zeitlich und örtlich flexibles Arbeiten angeht, sind also so vielfältig wie weit verbreitet. Genutzt werden diese aber nur dann, wenn Unternehmenskultur und Führungskräfte dies erlauben und unterstützen. "Es gibt selten gemeinsame Spielregeln, klare Erwartungen oder Unterstützung für die Führungskräfte", sagt Barbara Kellner von Deloitte. "Dies führt häufig zu heterogenem Umgang, gefühlter Ungerechtigkeit, Spannungen unter Mitarbeitern wie Führungskräften sowie negativen Erfahrungen mit Home Office."

Falsche Unternehmenskultur

Wesentliche Voraussetzung für einen funktionierenden Umgang mit flexiblem Arbeiten ist laut Deloitte vor allem eine Unternehmenskultur, die auf Vertrauen basiert und in der Ergebnisse zählen. Nur etwa die Hälfte der für die Studie befragten Führungskräfte würde ihrem Unternehmen eine derartige Kultur zuschreiben, die andere Hälfte sieht noch immer Kontrolle und Anwesenheitsorientierung als wesentliche Charakteristika der eigenen Organisation.

Daher sehen auch mehr als zwei Drittel der Befragten die größte Herausforderung in Bezug auf flexibles Arbeiten nicht in der Erarbeitung von Modellen oder der Einhaltung von rechtlichen Vorschriften, sondern in der Veränderung der Unternehmenskultur und der Unterstützung der Umsetzung durch Führungskräfte und Top Management. "Mobiles Arbeiten macht der einfachen Formel 'Anwesenheit ist gleich Leistung' endgültig einen Strich durch die Rechnung", sagt Barbara Kellner. (lib)

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    foto: deloitte
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