Grazer Studenten entwickeln lukrative Müllabfuhr für die Meere

30. Juli 2015, 05:30
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Eine zukunftsreiche Idee: Plastikmüll aus den Meeren entfernen und damit Geld verdienen

6,4 Millionen Tonnen Müll gelangen jedes Jahr in die Weltmeere. Drei Viertel davon bestehen aus Kunststoff. 15 Prozent des Plastikmülls werden an Stränden angeschwemmt, weitere 15 Prozent schwimmen an der Wasseroberfläche. Ein Großteil, geschätzte 70 Prozent, sinkt auf den Meeresboden, wo der Zersetzungsprozess Jahrhunderte dauern kann. Plastik zersetzt und zerreibt sich in immer kleinere Teilchen. In der oberen Wasserschicht gibt es daher mittlerweile 46 Mal mehr Plastik als Plankton. Die Partikel gelangen über diesen Umweg auch in unsere Nahrungskette.

Die Wanderausstellung "Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt" des Museums für Gestaltung Zürich widmet sich diesem Problem. Aktuell ist sie im Naturkundemuseum in Graz zu sehen. Dort kann der Plastikmüll hautnah erlebt werden: An rund 38 Quadratmetern Müll, der hauptsächlich aus dem Pazifikabschnitt vor Hawaii stammt, sind die Spuren von Salz, Sonne und Wasser zu sehen. Neben den Ursachen und Folgen der Verschmutzung werden auch Lösungsansätze thematisiert.

Abfall wirtschaftlich attraktiv machen

Alexander Reinalter besucht den Studiengang Industrial Design der Fachhochschule Joanneum Graz und will mit seinem Forschungsprojekt "Concept Manta" Impulse gegen die Verschmutzung der Weltmeere setzen. "Unsere Konzepte haben dabei nicht den Anspruch, verwirklicht zu werden, sondern Raum für Innovation und Anstöße in neue Richtungen zu geben", sagt Reinalter zum STANDARD. Kooperationspartner war die steirische Firma Komptech, die sich dadurch Ideen für innovative Maschinen und Einsatzbereiche im Zeitrahmen von zehn bis fünfzehn Jahren erwartete.

Die Studenten entwickelten das Konzept für einen autonomen Katamaran. Das Navigationssystem würde per GPS funktionieren, "in Richtung der sich bewegenden Meeresströmungen", so Reinalter. Das Gefährt würde vor allem die Müllstrudel reduzieren. Insgesamt soll es momentan fünf große Ansammlungen von Plastikabfall in den Meeren geben, mit einem Gewicht von insgesamt etwa 150 Millionen Tonnen.

Der Clou: Müll wird nicht nur aus dem Wasser entfernt, sondern auch wirtschaftlich attraktiv gemacht. Das Plastik wird mit einer Art Rechen aus dem Wasser gefischt, in Endlossäcken verpackt und mit einer Senderboje versehen abgeworfen. Vorbeifahrende Schiffe können die Boje samt Sack somit erkennen, an Bord holen und im Hafen gegen eine Prämie abgeben.

Recyclingindustrie wächst

Die Finanzierbarkeit wurde im Rahmen des Seminars zwar nicht erörtert. Reinalter betont jedoch, dass das Plastik in den Meeren recyclebar ist und daher einen realen Gegenwert besitzt. "Ich darf hier Eric Schweizer vom deutschen Rat für nachhaltige Entwicklung zitieren, dass die Recyclingwirtschaft in zehn Jahren einen größeren Stellenwert als die Automobilindustrie besitzen wird", sagt er.

Ein zur Zeit bereits bestehendes Projekt nennt sich "fishing for litter" und bietet in Kooperation mit 50 europäischen Partnerhäfen den Fischern eine Prämie für versehentlich gefangenen Plastikmüll.

"Auch im Hinblick auf die zurückgehenden Fangquoten im Fischereibereich wäre es möglich, dass im Zusammenwirken mit Konzepten wie dem unseren eine Art Müllabfuhr auf dem Meer entsteht", sagt Reinalter. Diese Alternative wäre für Fischer sogar ein eigener kleiner Wirtschaftszweig. (Julia Schilly, 30.7.2015)

Ausstellung: "Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt"
Universalmuseum Joanneum
Joanneumsviertel, 8010 Graz
bis 23. August

Plastic Garbage Project

Museumsblog

Artikel: Erstmals Plankton beim Plastikfressen gefilmt

  • Impressionen aus dem Süden der Philippinen. Ehrenamtliche versuchen den Strand von Mabuhay zu säubern.
    foto: apa / ritchie b. tongo

    Impressionen aus dem Süden der Philippinen. Ehrenamtliche versuchen den Strand von Mabuhay zu säubern.

  • Der "Manta", ein autonomer Katamaran, der von Studierenden der FH Joanneum entworfen wurde.
    foto: alexander reinalter

    Der "Manta", ein autonomer Katamaran, der von Studierenden der FH Joanneum entworfen wurde.

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