Verbund stellt sich auf noch raueres Umfeld ein

29. Juli 2015, 08:32
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Der Konzern erzielte ein besseres Ergebnis im Halbjahr auch dank eines Sparprogramms

Wien – An der Situation, dass die Strompreise auf dem Großhandelsmarkt weiter sinken, dürfte sich so rasch nichts ändern. Davon geht nicht nur der Verbund aus, Österreichs größter Stromerzeuger; auch viele Experten erwarten so rasch keine Trendwende, zumal Angebot und Nachfrage weiter auseinanderklaffen. Ein zusätzliches Sparprogramm sei dennoch nicht geplant, sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am Mittwoch.

Dabei zeigte sich, dass das im Vorjahr verschärfte Sparprogramm Früchte getragen hat. Ursprünglich wollte das Management in drei Jahren 130 Millionen einsparen, tatsächlich dürften es 160 Millionen sein, wie Anzengruber bekanntgab. In zwei Wellen ist der Personalstand in Summe um 500 reduziert worden. Zurzeit arbeiten noch knapp 3100 Personen im Unternehmen.

Gewinn verdreifacht

Unter dem Strich verdreifachte Verbund den Gewinn bis Juni auf 196,3 Mio. Euro nach 56,6 Millionen in der Vorjahresperiode (siehe Grafik). Darin inkludiert sind auch 40 Millionen an Rückstellungen für Verfahrenskosten im Netzbereich, die nach positiver Erledigung aufgelöst werden konnten. Sieben Millionen Euro brachte die Auflösung von Rückstellungen für einen Sozialplan im Zusammenhang mit dem Verbund-Block beim Kohlekraftwerk Korneuburg, wo Ende April die letzte Kilowattstunde Strom produziert wurde. Die betroffenen Mitarbeiter wurden zu einem großen Teil in anderen Bereichen (Wasserkraft) untergebracht.

Das operative Ergebnis (Ebitda) verbesserte sich im Berichtszeitraum um 38 Prozent auf 489 Mio. Euro, während der Umsatz bei 1,4 Mrd. Euro stagnierte. Wie stark das Verbund-Ergebnis von der Entwicklung der Großhandelspreise abhängt, zeigt eine Rechnung: Die Reduktion des Absatzpreises um einen Euro je Megawattstunde senkt das Ebitda um rund 25 Millionen.

90 Prozent Wasserkraft

Für das Gesamtjahr rechnet der Verbund-Vorstand mit einem Ebitda von 850 (2014: 809) Millionen Euro und einem Konzerngewinn von rund 240 (126) Millionen. Davon soll die Hälfte als Dividende ausgeschüttet werden.

Verbund produziert gut 90 Prozent des Stroms in seinen Wasserkraftwerken. Der Anteil der thermischen Erzeugung ist nicht zuletzt durch den Verkauf der defizitären französischen Gaskraftwerke weiter gesunken. Die Veräußerung spülte dem Verbund 150 Millionen in die Kassen.

Zurückhaltender ist Verbund bei den Investitionen: Nach 172 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2014 wurden von Jänner bis Juni des heurigen Jahres nur 97 Millionen investiert. Bis 2017 seien aber noch rund 900 Millionen Euro an Investitionen geplant, sagte Anzengruber. (stro, 30.7.2015)

  • Der Verbund konnte seinen Gewinn verdreifachen – auch dank der Auflösung von Rückstellungen.
    foto: apa / pfarrhofer

    Der Verbund konnte seinen Gewinn verdreifachen – auch dank der Auflösung von Rückstellungen.

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