Irak protestiert gegen türkische Luftangriffe auf PKK-Lager

28. Juli 2015, 22:10
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Bagdad sieht Verletzung der Souveränität – Washington: Angriffe sind Selbstverteidigung

Bagdad – Der Irak hat die türkischen Luftangriffe auf Stellungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK im Norden des Landes als gefährliche Eskalation und Verletzung der Souveränität bezeichnet. Der Ministerrat habe die Türkei aufgefordert, die guten Beziehungen zu respektieren, schrieb Regierungschef Haidar al-Abadi am Dienstag im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Der Irak fühle sich seinerseits verpflichtet, Angriffe auf die Türkei von irakischem Boden aus zu unterbinden. Türkische Kampfflugzeuge hatten in den vergangenen Tagen Angriffe auf ein Hauptquartier der verbotenen PKK im Nordirak geflogen. Darüber hinaus erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag den Friedensprozess mit den Kurden für beendet.

Vorausgegangen waren mehrere Terroranschläge mit Dutzenden Toten in der Türkei. Den blutigsten Angriff in Suruc mit mehr als 30 Toten schrieb Ankara der Terrormiliz IS zu. Die PKK bekannte sich später zu Anschlägen auf türkische Sicherheitskräfte, denen sie vorwarf, mit dem IS bei dem Selbstmordanschlag in Suruc kooperiert zu haben. Auch die Kurden erklärten die seit 2013 geltende, brüchige Friedensvereinbarung mit der Regierung in Ankara für nichtig.

USA: Angriffe Akt der Selbstverteidigung

Die US-Regierung stuft die jüngsten türkischen Luftangriffe auf die kurdische PKK als einen eindeutigen Akt der Selbstverteidigung ein. Das sagten ranghohe Regierungsvertreter am Dienstag in Washington. Die in der Türkei verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK habe Anschläge auf türkische Polizisten verübt und sei der Aggressor.

"Wenn die PKK die Angriffe in der Türkei nicht gestartet hätte, würden sie (die Türken) die PKK auch nicht im Irak angreifen", hieß es. Washington hatte in den vergangenen Tagen mehrfach betont, man betrachte die PKK als Terrororganisation.

Die Regierungsvertreter berichteten, die USA hätten bei ihren Gesprächen mit Ankara über den Kampf gegen die Terrormiliz IS in den vergangenen Monaten allmählich mehr Fortschritte gemacht. Vor rund sechs Wochen habe der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu die türkischen Militärbasen erwähnt.

Vor rund zwei Wochen sei man sich einig geworden, dass die USA die Basen stärker nutzen dürften. Danach habe es die Angriffe der PKK gegeben, schilderten die Regierungsvertreter den Ablauf. Das Ziel beider Seiten sei es, den IS aus Syrien zu vertreiben. Dafür sei es zentral, die IS-Kämpfer aus dem Grenzstreifen zur Türkei zu drängen. Es sei keine Flugverbotszone geplant, hieß es erneut. (APA, 28.7.2015)

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