Mexikos Teamchef nach Eklat entlassen

29. Juli 2015, 17:31
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Nach dem Triumph beim Cold-Cup wurde Miguel Herrera eine Auseinandersetzung mit einem TV-Reporter zum Verhängnis

Mexiko-Stadt – Nur zwei Tage nach dem Triumph beim Gold Cup (3:1 gegen Jamaika) hat sich der mexikanische Fußball-Verband von seinem Trainer Miguel Herrera getrennt. Dies teilte der Verband am Dienstag nach einem Treffen mit. Grund für die Entlassung soll eine tätliche Auseinandersetzung mit einem mexikanischen TV-Reporter am Flughafen von Philadelphia am Montag gewesen sein. Herrera hatte hingegen behauptet, den Reporter nur weggeschoben zu haben. Doch mehrere Augenzeugen widerlegten seine Version.

"Wir haben entschieden, Miguel Herrera von seinen Aufgaben zu entbinden", wird Verbandspräsident Decio de Maria zitiert: "Unsere Werte und Prinzipien müssen unabhängig von Ergebnissen eingehalten werden."

Der 47 Jahre alte Herrera hatte Mexiko zur WM-Endrunde 2014 in Brasilien geführt, bei der sein Team im Achtelfinale gegen die Niederlande ausschied. Seit November 2013 trainierte er die Nationalmannschaft.

Sein liebster Feind

Herrera soll also wieder einmal Rot gesehen haben: Als er am Flughafen von Philadelphia den Journalisten Christian Martinoli erblickte, brannten bei ihm offenbar einige Sicherungen durch. Er soll, das erzählten Martinoli und weitere Augenzeugen, den Reporter des einflussreichen Fernsehsenders TV Azteca in den Nacken geschlagen und wüst beschimpft haben.

Herrera stritt die Attacke ab. "Ja, ich habe mit ihm gestritten", sagte er TelevisaDeportes, "aber ich habe ihn nicht geschlagen. So blöd bin ich nicht!" Ein Video der Rangelei zeigt den Coach, wie er gemeinsam mit seiner Tochter Mishelle schimpft und zetert – Schläge sind jedoch nicht zu erkennen. Mishelle Herrera soll einem Begleiter Martinolis zudem eine Ohrfeige verpasst haben. Ihr Vater hat sich inzwischen entschuldigt, betonte aber, dass er und seine Familie zuletzt Opfer von "Beleidigungen und Spott" gewesen seien – von Martinoli.

Wiederholt zu emotional

Herrera hat schon öfter die Nerven verloren. Bei einem Länderspiel im vergangenen Oktober forderte er Panamas Trainer Hernán Gómez zum Faustkampf; im April legte er sich nach dem 0:2 gegen die USA mit Angestellten des Stadions an; am 1. Juli lieferte er sich eine Verbalschlacht mit Honduras' Ersatzbank.

Auch Martinoli wurde bereits sein Ziel. Nachdem der Journalist den Coach wegen fortwährender Entgleisungen als "barra brava" (Hooligan) bezeichnet hatte, konterte Herrera: "Das bin ich nicht. Aber ich hoffe, dass ich dich irgendwo finde, damit wir unsere Differenzen ausräumen können."

Gewalt habe keinen Platz in der Gesellschaft, in der Familie, im Sport, begründete der designierte Verbandschef de María die Entlassung. Herrera war aber auch sportlich nicht mehr unumstritten. Bei der Copa América im Juni scheiterte Mexiko als Gruppenletzter in der Vorrunde, beim Gold Cup mühte man sich in der Vorrunde, nur ein Sieg gelang. Auf dem weiteren Weg ins Finale konnte sich Mexiko zwei Mal erst im Elfmeterschießen durchsetzen. (sid, 29.7.2015)

  • Miguel Herrera ist als Trainer Mexikos Geschichte.
    foto: epa/peter foley

    Miguel Herrera ist als Trainer Mexikos Geschichte.

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