Designer wollen Arial und Helvetica aus Mails verbannen

8. August 2015, 15:50
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Serifenlose Schriftarten sind bei hochauflösenden Displays nicht mehr notwendig

Schriftarten sind unter Designfans ein heikles Thema und keine wird so sehr gehasst wie Comic Sans. Für Naserümpfen sorgen allerdings auch die populäreren Fonts Helvetica und Arial. Einige Designer plädieren dafür, diese Schriftarten nicht mehr in E-Mails zu verwenden.

Schlechter für lange Texte geeignet

Apple Mail setzt von Haus aus auf Helvetica, Gmail auf Arial. "Bloomberg" hat mit mehreren Schriftdesignern gesprochen, die beide Fonts nicht mehr in E-Mails sehen wollen. Helvetica sei zwar grundsätzlich beliebt, eigne sich aber aufgrund ihrer eng zusammenstehenden Buchstaben nur schlecht zum Lesen langer Texte, so Nadine Chahine von Monotype. Bei Arial seien sich Buchstaben wie etwa b, d, p und q zu ähnlich, das störe Lesefluss, lautet die Kritik von Designer Bruno Maag.

Bei beiden handelt es sich um serifenlose Schriftarten ("Sans Serif") – ihnen fehlen die abschließenden Querstriche am oberen und unteren Ende der Buchstaben. Dadurch können sie auf Displays mit geringerer Auflösung besser dargestellt werden. Allerdings ist die Auflösung der Displays in den vergangenen Jahren gestiegen, sodass auch serife Fonts nun schärfer abgebildet werden.

Neue Schriftart für den Kindle

Serife Schriftarten, so die verbreitete Meinung, erhöhen die Lesbarkeit längerer Texte, wenngleich es auch gegenteilige Ansichten gibt. Amazon ließ für seinen E-Book-Reader Kindle von Maag etwa die Schriftart Bookerly mit Serifen entwickeln. Laut internen Tests habe sich die Lesbarkeit im Vergleich zur Vorgängerschriftart leicht erhöht. Auch im WebStandard-Test des Kindle Paperwhite (2015) fiel die Verbesserung auf.

Wer mit Gmail, Apple Mail oder andere E-Mail-Clients arbeitet – Microsofts Outlook nutzt von Haus aus die ebenfalls serifenlose Calibri – muss aber ohnehin nicht die Standard-Schrift verwenden. Die meisten Dienste und Clients unterstützten mehrere Schriftarten, sodass man auch eine Font mit Serifen wie Georgia verwenden kann. Und auch vom Einsatz der verhassten Comic Sans wird niemand abgehalten. Wie gut das beim Empfänger der E-Mail-Nachricht ankommt, sei aber dahingestellt. (br, 8.8.2015)

  • Welche Schriftart eignet sich am Besten zum Lesen für lange Texte? Font-Designer meinen: eine mit Serifen wie Georgia.
    screenshot: red

    Welche Schriftart eignet sich am Besten zum Lesen für lange Texte? Font-Designer meinen: eine mit Serifen wie Georgia.

  • Amazon verwendet auf dem Kindle Paperwhite 2015 die neue Schrift Bookerly.
    foto: standard/koller

    Amazon verwendet auf dem Kindle Paperwhite 2015 die neue Schrift Bookerly.

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