"Wien anders" rechnet mit Einzug in Gemeinderat

28. Juli 2015, 13:01
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Wahlbündnis aus KPÖ, Piraten und Unabhängigen sammelt derzeit Unterstützungserklärungen

Wien – Das Wahlbündnis "Wien anders" habe bereits mehr als die Hälfte der nötigen Unterschriften fürs Antreten bei der Wien-Wahl gesammelt, sagte Spitzenkandidatin Juliana Okropiridse am Dienstag. Das Bündnis besteht aus KPÖ, Piraten, "Echt Grün" und der Plattform der Unabhängigen.

2.700 Unterschriften braucht das laut Eigendefinition "bunte" Wahlbündnis "Wien anders", lieber hätte man ein paar mehr. Das Sammeln laufe jedenfalls gut, auch mit dem Einzug im den Gemeinderat rechnete "fix".

Die Frist fürs Sammeln von Unterschriften läuft noch bis 4. September. Mit "Europa Anders"-Frontmann Martin Ehrenhauser hat man sich für den Pressetermin am Dienstag auch gleich ein bisschen prominente Unterstützung geholt. "Ich denke, sie haben sehr gute Chancen. Ich hoffe doch, dass sie ein respektables Ergebnis erzielen und dann durchaus auch Strahlkraft für eine bundesweite linke Kandidatur bei der nächsten Nationalratswahl entwickeln", meinte Ehrenhauser.

"Grandioses und Witziges"

Ehrenhauser hatte im EU-Wahlkampf für eine gehörige Prise Aktionismus gesorgt, tagelang vor dem Bundeskanzleramt ausgeharrt und war dann noch obdachlos durch die Bundesländer getingelt. Aktionismus steht auch in Wien der Agenda: "Das ist unsere größte Stärke, dass wir die Leute haben, die das können und machen wollen. Wir müssen sogar, weil die finanziellen Mittel, um einen Plakatwahlkampf zu schupfen, haben wir sowieso nicht." "Es wird noch Grandioses und Witziges kommen", versprach Spitzenkandidatin Okropiridse.

"Neuer Karl-Marx-Hof"

Inhaltlich will man ein "sehr breites Spektrum" abdecken – von Wahlrecht für alle Wiener ohne Staatsbürgerschaft über das bedingungslose Grundeinkommen bis hin zum leistbaren "Karl-Marx-Hof des 21. Jahrhunderts". "Auf jeden Fall geht es uns darum, die Stadt für alle Menschen lebenswerter zu machen", meinte Okropiridse. Im Buhlen um Proteststimmen gegen die amtierende rot-grüne Regierung hat das Bündnis allerdings durchaus Konkurrenz. Diese will man auch thematisieren. "Es ist uns wichtig, im Wahlkampf immer wieder zu betonen, dass eine Stimme für die FPÖ keine Proteststimme, sondern eine rassistische Stimme ist, die dafür sorgt, dass Wien weniger lebenswert wird", erklärte die Spitzenkandidatin.

Ansonsten wolle man allerdings nicht auf Mitbewerber "hinhacken", sondern lieber "zeigen, wie cool wir sind". Die bunte Zusammensetzung stelle dabei kein Problem dar: "Es funktioniert intern wunderbar, wir haben schon im Europa-Anders-Wahlkampf gelernt, miteinander umzugehen und zu arbeiten. Wir ergänzen uns sehr gut", betonte Okropiridse.

Um tatsächlich in den Gemeinderat und den Landtag einzuziehen, muss "Wien anders" die in der Bundeshauptstadt relativ hohe Hürde von fünf Prozent überspringen – Ehrenhauser hatte damals nur gut zwei Prozent der Stimmen für sich verbuchen können. Für Wien ist er dennoch optimistisch: "Alles ist möglich." (APA, 28.7.2015)

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    foto: apa/pfarrhofer
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