Almaty oder Peking: Ist das noch Wintersport?

28. Juli 2015, 12:13
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Duell um Olympia 2022: Die Diskussion um die angebliche Zurückhaltung von demokratischen Ländern sei eine Mär, sagt IOC-Boss Bach

Kuala Lumpur – Die Vergabe der Winterspiele für 2022 an Almaty oder Peking kann für das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Hypothek für die kommenden Jahre werden. Sowohl Kasachstan als auch China stehen wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. "Es wird sicherlich Diskussionen geben, aber die Position des IOC ist klar. Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst", betonte IOC-Boss Thomas Bach.

Die Olympische Charta und der Gastgebervertrag müssten vollumfänglich für die Dauer der Spiele Anwendung finden, erklärte der Deutsche im Vorfeld der Wahl auf der IOC-Session am Freitag in Kuala Lumpur. "Dies gilt für alle Teilnehmer und im Zusammenhang mit allen direkt Olympia-bezogenen Aktivitäten. Diese Themen wurden mit den Regierungsvertretern beider Bewerber besprochen", stellte Bach klar. "Deren Einhaltung wurde von beiden Kandidaten garantiert. Außerhalb dieser olympischen Zeit hat auch das IOC die Gesetze und Regeln eines souveränen Staates zu akzeptieren. Wir sind keine Weltregierung."

300 Millionen Chinesen im Schnee

Die Entscheidung zwischen Almaty und Peking sei auch unter sportfachlichen Aspekten nicht einfach für die 100 IOC-Mitglieder. "Es stehen zwei unterschiedliche Konzepte zur Wahl", sagte der 61-Jährige. Peking nutze auf der einen Seite das Erbe der Olympischen Sommerspiele 2008 für die Eissportarten und die Infrastruktur. Auf der anderen Seite eröffne es etwas 300 Millionen Menschen den Zugang zum Wintersport. Almaty hingegen belebe ein traditionsreiches Wintersport-Resort neu.

Dass das Interesse demokratischer Länder an Olympia-Bewerbungen immer mehr zurückgegangen sei – für die Winter-Ausgabe 2022 haben unter anderen Oslo, Krakau, St. Moritz und München ihre Kandidaturen vorzeitig aufgegeben -, hält Bach mit Verweis auf die Ausrichter der Spiele von 1988 (Seoul) bis 2012 (London) sowie den zukünftigen Gastgebern 2016 (Rio de Janeiro), 2018 (Pyeongchang) und 2020 (Tokio) für falsch: "Die ganze Diskussion um die angebliche Zurückhaltung von demokratischen Ländern ist eine Mär."

Wider dem Gigantismus

Inzwischen seien Olympische Spiele wieder begehrt – auch dank der Agenda 2020, die der IOC-Präsident initiiert hat, um dem zuletzt kritisierten Gigantismus der Spiele und der mangelnden Transparenz des Ringe-Ordens zu begegnen. Hat das IOC durch die Reformen wieder an Ansehen gewonnen? "Es geht nicht um das IOC, sondern um die Athleten und die Spiele", sagte Bach. Es gehe darum, diese Spiele für die Athleten unter wirtschaftlich vertretbaren Gesichtspunkten veranstalten zu können. So seien mit dem Ausrichter der Sommerspiele in Tokio 2020 in den sieben Monaten nach Verabschiedung der Agenda 2020 Einsparungen von 1,7 Milliarden US-Dollar (1,54 Mrd. Euro) erreicht worden. Bach: "Wirkung und Erfolg dieser Agenda 2020 wird damit sehr greifbar." (APA, red, 28.7.2015)

  • Peking ist auf der Zielgeraden. Europäische Bewerbungen scheiterten bereits davor.
    foto: ap/thian

    Peking ist auf der Zielgeraden. Europäische Bewerbungen scheiterten bereits davor.

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