Fließendes Eis auf Plutos Oberfläche verblüfft Forscher

28. Juli 2015, 11:43
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Zuletzt eingetroffene Bilder zeigen, dass der Zwergplanet dynamischer ist als bisher angenommen

Washington – Je mehr Pluto-Bilder von der NASA-Sonde New Horizons auf der Erde eintrudeln, umso begeisterter und verblüffter zeigen sich die Wissenschafter von dem eisigen Zwergplaneten. Eine der aktuellsten Aufnahmen etwa zeigt Oberflächenmerkmale, die bisher nur von den inneren Planeten bekannt waren. "Derartiges haben wir bisher nur auf aktiven Welten wie der Erde und dem Mars beobachtet", berichtete John Spencer vom Southwest Research Institute, einer der an der New-Horizons-Mission beteiligten Forscher.

foto: nasa/jhuapl/swri

Gletscher wie auf der Erde

Was Spencer speziell anspricht, sind Details, die am Rande von Sputnik Planum, einer großen kraterlosen Eisebene in der Region Tombaugh Regio, zu sehen sind. Die Forscher schließen aus den verwirbelten Strukturen, dass am Übergang zur gebirgigen Region im Norden in der Vergangenheit Stickstoff-, Kohlenmonoxid- und Methaneis in Bewegung war. Möglicherweise hält der Eisfluss sogar immer noch an, meinen die Wissenschafter und ziehen einen Vergleich mit Gletschern auf der Erde.

foto: nasa/jhuapl/swri

Cthulhu Regio wird von Eismassen bedrängt

Am südlichen Ende des großen Pluto-"Herzens" deuten andere Oberflächendetails darauf hin, dass eine dunkle kraterreiche Region – nach H.P. Lovecrafts berühmter Kreatur Cthulhu Regio getauft – in der Vergangenheit von Eismassen überlagert worden ist. Zu erkennen sind auch zwei weitere Bergketten von rund 1,6 Kilometern Höhe. Die nach den Mount-Everest-Bezwingern Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay benannten Hillary Montes und Norgay Montes sind ebenfalls teilweise von Eismassen bedeckt.

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Dunstschleier in der Pluto-Atmosphäre

Besondere Begeisterung lösten Aufnahmen des Pluto im Gegenlicht aus. Die Bilder lassen eine mehrschichtige Atmosphäre aus Stickstoff und Methan erkennen, die von Wolkenschleiern durchsetzt ist. Mindestens zwei Dunstschichten, eine in 50 Kilometern Höhe und eine 80 Kilometern Höhe, konnten die Forscher bisher ausmachen. Eigentlich hatten die Wissenschafter nicht damit gerechnet, Nebelfelder zu finden, da es nach bisherigen Annahmen in mehr als 30 Kilometern Höhe über der Pluto-Oberfläche nicht kalt genug dafür sei.

foto: nasa/jhuapl/swri

Variantenreiche Oberfläche

Eine ebenfalls vor kurzem präsentierte Falschfarben-Ansicht des Pluto verdeutlicht, wie variantenreich sich die Oberfläche des Zwergplaneten gestaltet. Die Kombination aus vier Aufnahmen des Long Range Reconnaissance Imagers (LORRI) mit Spektrometer-Daten entstand, als New Horizons rund 450.000 Kilometer von Pluto entfernt war. Sie zeigt zahlreiche abgegrenzte Regionen, deren Zusammensetzung teilweise noch Rätsel aufgibt.

foto: nasa/jhuapl/swri

Neue Mond-Bilder

Auch von den winzigen Begleitern des Pluto gibt es mittlerweile etwas schärfere Aufnahmen. Der unregelmäßig geformte Mond Nix (links) ist rund 42 Kilometer lang und 36 Kilometer breit und lässt einen rötlichen Fleck auf seiner Oberfläche erkennen, über dessen Ursache sich die Forscher noch nicht im Klaren sind. Hydra ist ein ebenfalls irregulär geformter Trabant von 55 Kilometern Länge und 40 Kilometern Breite; seine Oberfläche dürfte von mindestens zwei größeren Einschlagkratern gekennzeichnet sein. Aufnahmen von den beiden neu entdeckten Monden Styx und Kerberos erwarten die NASA-Forscher für spätestens Mitte Oktober. (red, 28.7.2015)

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