GIS-Gebühr: "Handelsblatt" empfiehlt ORF Abo-Modell statt Haushaltsabgabe

28. Juli 2015, 09:32
18 Postings

Korrespondent rät zu Freiwilligkeit statt Zwang "wie die katholische Kirche"

Wien – Hans-Peter Siebenhaar hat sich als "Handelsblatt"-Medienredakteur schon intensiv und überaus kritisch an den deutschen öffentlich-rechtlichen Anstalten und ihren Gebühren abgearbeitet – auch in seinem Buch "Die Nimmersatten". Nun nimmt er sich, inzwischen Korrespondent in Wien, in seiner Onlinekolumne den ORF vor – und rät ihm zu einem freiwilligen Abo-Modell wie im privaten Pay-TV statt Rundfunkgebühren oder gar Haushaltsabgabe wie in Deutschland. Mit einem interessanten Vorbild.

"Der ORF gehört zu Österreich wie die katholische Kirche. Auch dort wird mit dem Prinzip der Freiwilligkeit gearbeitet – wirtschaftlich durchaus erfolgreich", argumentiert Siebenhaar für "Freiwilligkeit statt Zwang".

"Falsches Modell einer Haushaltsabgabe"

Siebenhaar mit guten Chancen auf breite Zustimmung in der Community: "Statt auf das falsche Modell einer Haushaltsgebühr nach deutschem Vorbild zu setzen, hat die österreichische Regierung die Chance, in Europa einen neuen Weg zu gehen. Ein Modell wäre es dem Bürger die Wahlmöglichkeit zu überlassen, welche Programme des ORF er abonnieren möchte. Nach dem Vorbild des privaten Bezahlfernsehens könnte der ORF neben einem verpflichtenden Basispaket entsprechend seine verschlüsselten Angebote für Fernseher, Tablet-PC und Handy anbieten."

"Große Treue zum ORF"

Der langjährige Medienjournalist argumentiert, er mache sich keine Sorge um die Finanzierung des ORF – wegen der "großen Treue der Österreicher zu 'ihrem' ORF". Der befinde sich in einer "privilegierten Position" – im Gegensatz zu ARD und ZDF: "Die Rundfunkanstalt ist Teil der nationalen Identität Österreichs."

Siebenhaar findet: Dem ORF komme eine "sinnstiftende Bedeutung für die Alpenrepublik zu", "gerade vor dem Hintergrund, dass fast zwei Dutzend öffentlich-rechtliche Programme aus Deutschland in Österreich gratis zu empfangen sind".

Ferner sehen

Dazu ließe sich etwa ergänzen, dass schon bisher Programme von ARD und ZDF (Samstag etwa: "München Mord") häufig die meistgesehenen Sendungen im österreichischen Gesamtpublikum haben, bei Sportübertragungen schon heute ein durchaus wesentlicher Teil des Publikums deutsche Kommentatoren vorziehen. Und dass neben einer Menge öffentlich-rechtlicher Kanäle aus Deutschland noch mehr private Kanäle einstrahlen – deren quotenstärkste Filme und Serien parellel im ORF laufen – dort allerdings werbefrei. (fid, 28.7.2015)

Share if you care.