Zahl der Tiger im größten Mangrovenwald der Erde dramatisch eingebrochen

27. Juli 2015, 17:55
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Nur mehr etwas mehr als hundert Königstiger leben in den Sundarbans – Vor 10 Jahren waren es noch über 400

Dhaka – Im größten Mangrovenwald der Erde ist Zahl der Tiger dramatisch gesunken. In den weltbekannten Sundarbans in Bangladesch seien bei einer neuen Erhebung nur noch etwas mehr als hundert Tiere gezählt worden, sagte der Naturschutzbeauftragte der Regierung, Tapan Kumar Dey, am Montag. Bei der letzten Zählung im Jahr 2004 waren noch 440 Tiger registriert worden.

Neue Erfassungsmethode

Ein Grund für den starken Rückgang könnte demnach aber auch eine neue Messmethode sein: Nachdem die Forscher bisher vor allem Spuren ausgewertet hatten, wurden die Tiere nun mit versteckten Kameras erfasst. Diese filmten im Laufe der einjährigen Untersuchung durchschnittlich 106 Tiger am Tag, wie Deya sagte. Dies sei wahrscheinlich eine "genauere Zahl" als bei den früheren Erhebungen.

Der Sundarbans-Nationalpark im Flussdelta zwischen Bangladesch und Indien gehört zum Weltnaturerbe der Unesco. Die Sundarbans umfassen insgesamt ein 10.000 Quadratkilometer großes Gebiet am Golf von Bengalen, von dem 40 Prozent in Indien liegen. Dort waren kürzlich rund 74 Tiger gezählt worden.

Erholung in Indien

Insgesamt scheint sich die Tigerpopulation in Indien dagegen allmählich zu erholen. Eine vor wenigen Monaten veröffentlichte Erhebung ergab, dass die Zahl der indischen Königstiger in den vergangenen Jahren um fast ein Drittel gestiegen ist. 2.226 Raubkatzen seien für den aktuellsten Tigerbericht gezählt worden, berichtete Umweltschutzminister Prakash Javadekar im Jänner. Vier Jahre zuvor seien es nur 1.700 Tiger gewesen.

Im Vergleich zur ursprünglichen Verbreitung der Raubkatzen ist die aktuelle Situation dennoch weiter besorgniserregend: Noch vor einem Jahrhundert gab es Schätzungen zufolge rund 100.000 Tiger. Wildtierjagd und der internationale Handel mit Tigerteilen wie Knochen reduzierte die Zahl der gestreiften Raubkatzen drastisch. Laut der Umweltschutzorganisation WWF leben heute weltweit nur mehr rund 3.300 Tiger.

Schrumpfende Population

Der Zoologie-Professor Monirul Khan von der Jahangirnagar-Universität in Bangladesch sagte, die neuen Zahlen bestätigten seine schlimmsten Befürchtungen. Die Tiger-Population sei offenbar stärker geschrumpft als gedacht. Khan forderte die Regierung auf, mehr für den Schutz der Raubkatzen zu tun, die durch Wilderer und die immer kleiner werdenden Lebensräume bedroht sind. (APA/red, 27.7.2015)

  • Während in Indien zuletzt die Zahl der Tiger wieder zugenommen haben dürfte, ist der Bestand in den Sundarbans in Bangladesch dramatisch eingebrochen.
    foto: apa/epa/sanjeev gupta

    Während in Indien zuletzt die Zahl der Tiger wieder zugenommen haben dürfte, ist der Bestand in den Sundarbans in Bangladesch dramatisch eingebrochen.

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