IWF-Kritik bringt Peking in die Zwickmühle

27. Juli 2015, 17:37
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Ohne Stützung geht es an Chinas Börsen bergab. Stemmt sich Peking gegen den Abwärtssog, gefährdet es die Aufnahme des Yuan als Reservewährung

Schanghai/Wien – Politische Börsen haben einer alten Investorenweisheit zufolge kurze Beine. Diese Erkenntnis musste auch die chinesische Regierung bei ihrem Versuch machen, die seit Juni vorherrschende Talfahrt an den Aktienmärkten in Schanghai und Shenzhen mit Zwangsmaßnahmen zu stoppen. Deren Erfolg war nämlich nur ein zwischenzeitlicher. Am Montag überrollten die nächsten Verkaufswellen die Börsen – und zwar stärker als zuvor: 8,5 Prozent büßte der Shanghai-Composite-Index ein, das ist der größte Tagesverlust seit Februar 2007.

Hinter vorgehaltener Hand wird gemutmaßt, dass die Regierung Stützungskäufe eines umgerechnet 432 Milliarden Euro schweren Investmentvehikels nach einer inoffiziellen Rüge des Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgesetzt haben soll. Laut einem Bloomberg-Bericht hat der Fonds kurzfristige Markteingriffe zwar abgesegnet, auf lange Sicht müssten die Börsen dem Spiel von Angebot und Nachfrage überlassen werden. Dies soll Peking einem namentlich nicht genannten Insider zufolge auch zugesagt haben.

Die chinesische Regierung dürfte die Kritik nicht auf die leichte Schulter nehmen, steht doch noch heuer der chinesische Yuan beim IWF auf dem Prüfstand. Alle fünf Jahre legt der Fonds die Zusammensetzung des Währungskorbs für sogenannte Sonderziehungsrechte fest – die von Peking angestrebte Aufnahme bedeutet de facto den Status einer Weltreservewährung.

Derzeit sind US-Dollar, Euro, Pfund und Yen Teil dieses Systems, dem Yuan wurde 2010 die Aufnahme noch versagt. Damit sitzt die chinesische Regierung in der Zwickmühle zweier miteinander unvereinbarer Ziele: Weitere Markteingriffe gefährden einen positiven IWF-Bescheid für den Yuan, deren Beendigung die Stabilität der Börsen und der Wirtschaft. Ohne die zahlreichen Maßnahmen wie Handelsbeschränkungen oder Verkaufsverbote für Großaktionäre, welche die Aktienmärkte nach einem Einbruch um rund ein Drittel vorübergehend stabilisieren konnten, dürfte der Abwärtssog ungebremst anhalten.

Damit würde auch das chinesische Wachstumsziel für heuer von sieben Prozent der Wirtschaftsleistung in ernsthafte Gefahr geraten. Schon zuletzt deuteten einige Indikatoren eine nachlassende Konjunktur an: Die Stimmung unter Einkaufsmanagern erreichte den tiefsten Stand seit 15 Monaten, und die Gewinne in Chinas Industrie waren im ersten Halbjahr um 0,7 Prozent rückläufig.

Kreditfinanzierter Boom

Dem Börsencrash war ein einjähriger, teilweise kreditfinanzierter Boom vorangegangen, der den Shanghai Composite um 150 Prozent in die Höhe hat schnellen lassen. Der Einbruch des Aktienmarkts hat auch das Kreditvolumen für Aktienkäufe um mehr als ein Drittel auf derzeit 1,44 Billionen Yuan, das entspricht 216 Milliarden Euro, zurückgehen lassen. Wie der Kursrutsch am Montag gezeigt hat, üben die offenen Kredite aber weiterhin Druck auf Aktien, besonders jene von Brokerfirmen, aus. Die zuletzt stark angestiegenen Geldmarktzinsen indizieren ebenfalls steigenden Bedarf nach flüssigen Mitteln gegen Monatsende. (Alexander Hahn, 27.7.2015)

  • In diesen Schuh hineinwachsen wird der Bub nie. Muss er auch nicht. Anders verhält es sich mit Chinas  aufgeblasenen Aktienmärkten, die den Machthabern in Peking Kopfzerbrechen bereiten.
    foto: epa / rolex dela pena

    In diesen Schuh hineinwachsen wird der Bub nie. Muss er auch nicht. Anders verhält es sich mit Chinas aufgeblasenen Aktienmärkten, die den Machthabern in Peking Kopfzerbrechen bereiten.

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