Ex-US-Finanzminister mahnt Reformen ein

27. Juli 2015, 17:27
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Laut Henry Paulson sind Chinas Finanzmärkte zu wenig entwickelt

London – Aus Sicht des früheren US-Finanzministers Henry Paulson steht China am Rande einer großen finanziellen und wirtschaftlichen Krise – und mahnt Reformen im Reich der Mitte ein. Die Wirtschaft an sich sei gewachsen und gereift, die Kapitalmärkte hinken dieser Entwicklung seiner Ansicht nach jedoch deutlich hinterher. Die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme bringt Paulson mit dem jüngsten Ausverkauf an den Börsen in Schanghai und Shenzhen nur indirekt in Zusammenhang, vielmehr würden sich dahinter strukturelle Probleme und fehlende Reformen für Chinas Finanzmärkte verbergen.

Liberalisierung vorantreiben

Die Liberalisierung des Finanzsystems zu bremsen, um weitere Instabilität an den Märkten zu unterbinden, wäre in den Augen des Ex-Finanzministers genau der falsche Weg. Keine der entwickelten Volkswirtschaften hätte ein hohes Wohlstandsniveau erreicht, solange ein abgeschottetes Finanzsystem falsche Preisinformationen liefere, wie Paulson in einem in der Financial Times in der Vorwoche veröffentlichten Kommentar schreibt. Vielmehr sollte Peking dessen Liberalisierung vorantreiben.

In Paulsons Augen bedeutet dies, einen Rahmen zu schaffen, der die Möglichkeiten für Marktmanipulationen und Investmentbetrug weitgehend ausschließt. Auch bei der Transparenz von Rechnungswesen und Publizitätspflichten sieht er Handlungsbedarf. Zudem sollte der Markt für Unternehmensanleihen ausgebaut und der Bevölkerung leichterer Zugang zu ausländischen Wertpapieren ermöglicht werden.

Demnach mangelt es den chinesischen Märkten auch an einer breiteren Basis an Marktteilnehmern wie "erstklassigen" ausländischen, institutionellen Investoren, Investmentbanken und Wertpapier- und Analysefirmen.

Auch unabhängige Ratingagenturen vermisst der ehemalige Goldman-Sachs-Chef und US-Finanzminister, in dessen Amtszeit die Lehman-Pleite als endgültiger Auslöser für die Weltfinanzkrise gefallen ist. Paulson empfiehlt daher, den jüngsten Börsenkrach in China als das zu sehen, was es in seinen Augen darstellt: nämlich als Zeichen, das die Entwicklung von Chinas Finanzmärkten noch nicht abgeschlossen ist. (aha, 27.7.2015)

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