Polens Familienpolitik ohne Erfolg: Niedrigste Geburtenrate in Europa

27. Juli 2015, 14:22
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Expertin sieht Mängel bei der Kinderbetreuung eine der wichtigsten Hürden

Warschau – Die Familienpolitik der polnischen Regierung hat bisher keinen positiven Einfluss auf die Geburtenrate gehabt. Laut neuesten Daten des Statistikamts (GUS) wurden in Polen in der ersten Jahreshälfte nur rund 180.000 Kinder geboren. Das ist die niedrigste Zahl seit elf Jahren.

Angesichts der demografischen Prognosen, die in kommenden Jahrzehnten eine drastische Alterung der Gesellschaft voraussehen, hat die Koalition aus der rechtsliberalen Bürgerplattform (PO) und der Bauernpartei (PSL) 2013 den Mutterschaftsurlaub verlängert und einen 26 Wochen langen Elternurlaub eingeführt. Seither können Eltern bis zu einem Jahr mit ihrem Kind zu Hause bleiben und Geld dafür vom Staat in Höhe von 80 Prozent ihres Durchschnittsgehalts bekommen. Man hat auch für Familien mit drei und mehr Kindern eine Großfamilienkarte eingeführt, die bei verschiedenen Sport- und Kulturinstitutionen zu Ermäßigungen berechtigt. Erhöht wurden auch die Steuererleichterungen für Großfamilien.

Hürde Kinderbetreuung

ExpertInnen loben vor allem die Verlängerung des Karenzurlaubs. "Es ist aber zu wenig, um Menschen zur Kinderzeugung zu verleiten", kommentierte die Politologin Ewa Les von der Warschauer Universität im Gespräch mit dem Portal www.dziennik.pl die neuesten GUS-Daten. Ihrer Meinung nach sind Mängel bei der Kinderbetreuung eine der wichtigsten Hürden. Laut GUS stieg zwar die Zahl der Kinderkrippen im vergangenen Jahr um 493 auf 1.605. Aber in diesen Anstalten gibt es lediglich 72.200 Plätze. Zum Vergleich betrug 2014 die Zahl der Kinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr 1,2 Millionen.

Polen hat mittlerweile mit 1,3 Kindern pro Frau eine der niedrigsten Geburtenraten in Europa. Eine Geburtenrate von mehr als zwei ist notwendig, damit die Bevölkerungszahl stabil bleibt. Zum letzten Mal war dies in Polen vor 25 Jahren der Fall. Das polnische Statistikamt warnt davor, dass im Jahr 2050 die Zahl der Polen (aktuell fast 38,5 Millionen) bis zu unter 34 Millionen schrumpfen wird. (APA, 27.7.2015)

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