"Schweres Gift": Eisenhut im Glas

29. Juli 2015, 15:05
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Peter Oberdorfers Wien-Krimi ist detailliert und hat dennoch keine Längen

Ein Gerichtsmediziner kommt ins Schwärmen: Das Gift des Blauen Eisenhuts findet er ideal für einen Mord. Leicht zu beschaffen und zuverlässig wirkend. Der Beweis ist die Leiche einer jungen Rocksängerin, die dabei war, eine Karriere zu starten. Bei ihrem ersten großen Auftritt in der Wiener Stadthalle hat sie ein Glas Wasser hinuntergestürzt, und das war's.

Peter Oberdorfers Krimi ist detailliert und hat dennoch keine Längen. Akribisch beschreibt er das Machtgefüge innerhalb des Polizeiapparats, das weniger von Können als von Feigheit und politischer Einflussnahme gekennzeichnet ist. Kommissar Bramböck, beharrlich und widerspenstig, gerät zwischen die Fronten. Man präsentiert alsbald einen Notar als Täter, und da dieser in der U-Haft Selbstmord begeht, ist der Fall gelöst. Aber nicht für Bramböck. Er kommt dahinter, dass man sich in der gehobenen Wiener Gesellschaft mit Orgien à la Schnitzlers Traumnovelle vergnügt. Einmal ein Wien-Krimi, der sich nicht in Klischees verliert und trotzdem eine Wiener Atmosphäre kreiert. (Ingeborg Sperl, Album)

Peter Oberdorfer, "Schweres Gift". € 9,80 / 362 Seiten. Aufbau-Verlag, Berlin 2015

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    cover: aufbau taschenbuch
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