Waffenruhe im Jemen erweist sich als brüchig

27. Juli 2015, 15:12
19 Postings

Arabisches Militärbündnis setzte Luftangriffe im Jemen aus – Aber Kämpfe aus fast allen Landesteilen gemeldet

Sanaa/Aden – Die Waffenruhe im Jemen hat sich nur Stunden nach ihrem Beginn als brüchig erwiesen. Aus fast dem ganzen Land wurden am Montag Angriffe der schiitischen Houthi-Rebellen gemeldet. In der Hauptstadt Sanaa hielt die seit Mitternacht geltende Waffenruhe dagegen vorerst.

Die von Saudi-Arabien geführte arabische Allianz hatte am Wochenende angekündigt, ihre Luftangriffe auf die Houthi-Stellungen von Sonntagnacht an für fünf Tage auszusetzen. Damit soll die Versorgung der große Not leidenden Bevölkerung in den umkämpften Gebieten ermöglicht werden.

Keine Luftangriffe

Tatsächlich wurden in der Nacht zum Montag die Luftangriffe nach Angaben von Augenzeugen ausgesetzt. Allerdings berichtete der saudi-arabische Fernsehsender Al- Arabiya, Houthis hätten die Grenzregion al-Tawal im Norden angegriffen. Soldaten im Nachbarland Saudi-Arabien hätten zurückgeschossen.

In der zweitgrößten Stadt Aden im Süden berichteten Einwohner, Houthi-Rebellen hätten die Viertel Mansoura und Sheikh Othman angegriffen. Von Mitternacht bis zum Morgen habe der Beschuss der Hafenstadt gedauert.

Die Nachrichtenagentur Saba, die den nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi unterstützt, meldete, die Houthi-Miliz habe mehrere Wohnviertel in Dalea beschossen. Die Stadt liegt rund 170 Kilometer von Aden entfernt. Auch aus der zentral gelegenen Provinz Marib und der Stadt Taiz wurden Gefechte gemeldet. Ein Sprecher der Houthi war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu den Berichten zu erreichen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief am späten Sonntagabend die Konfliktparteien zu größter Zurückhaltung auf. Sie sollten die Waffenruhe nicht nutzen, um Boden gutzumachen, und eine Eskalation vermeiden.

Appell aus Berlin

Deutschland appellierte am Montag ebenfalls eindringlich an die Konfliktparteien im Jemen, die angekündigte Waffenruhe einzuhalten. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin, die humanitäre Lage in dem Bürgerkriegsland habe sich in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert. Eine Feuerpause eröffne die Chance zur Versorgung der Bevölkerung und könne gleichzeitig der Einstieg in eine politische Lösung des Konflikts sein.

Ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Sanaa forderte eine längere und stabile Feuerpause. Die derzeit vereinbarte sei für die Versorgung der Zivilbevölkerung zu kurz.

Seit Ende März fliegt die von Saudi-Arabien geführte Allianz Angriffe auf die Houthi-Rebellen, um dem vertriebenen Präsidenten Hadi wieder an die Macht zu verhelfen. Die vom Iran unterstützten Houthi wurden zwar vor einigen Wochen aus der Hafenstadt Aden wieder vertrieben, sie halten aber noch immer die Hauptstadt Sanaa und kontrollieren weite Teile des Landes. In dem Konflikt wurden bisher rund 3.500 Menschen getötet, darunter sind fast 370 Kinder. Mehr als 20 der 25 Millionen Einwohner sind auf Hilfe angewiesen.

Unter UN-Vermittlung waren im Mai und im Juli schon zwei Mal humanitäre Feuerpausen ausgerufen worden. Beide scheiterten. Nur wenige Hilfsgüter gelangten bisher in das verarmte arabische Land, in dem nach UN-Angaben 80 Prozent der Bevölkerung infolge der Kämpfe auf Hilfe angewiesen sind. 3700 Menschen wurden nach UN-Angaben seit Ende März in dem Konflikt getötet, mehr als die Hälfte davon Zivilisten. (APA, 27.7.2015)

Share if you care.